Tipps zum Höhentrekking und Bergsteigen in Bolivien

Weite Hochebenen, eisgepanzerte Gipfel und dazu die körperliche Herausforderung einer Höhe von 4000 bis über 6000 Meter bietet das Trekking- und Bergsteigerparadies Bolivien. Allerdings ist Bolivien auch ein Dritte-Welt-Land, daher sollten Trekker und Bergsteiger aus unseren mitteleuropäischen Breitengraden gewisse Dinge beachten. Hier findet ihr einige Tipps und persönliche Empfehlungen für eure Trekking- oder Hochtouren in Bolivien.

Übersicht

Tipps Trekking Bergsteigen Bolivien - Weite

Die folgenden Tipps und Empfehlungen basieren auf persönlichen Erfahrungen meiner Bolivienreise 2010. Ich habe mich hier ausschliesslich auf der bolivischen Hochebene (Altiplano) rund um La Paz bewegt. Daher beziehen sich die Tipps auch nur auf diesen Landesteil, und nicht auf die Tiefebene Boliviens.

Klima & Reisezeit

Die Hauptsaison für Höhentrekking und Bergsteigen in Bolivien sind die Monate Mai bis August. Zu dieser Zeit ist Winter in Bolivien. Das bedeutet durchgehend sehr stabiles, sonniges Wetter mit sehr seltenem Regen. Die Gewitterneigung ist äusserst gering, was insbesondere für Bergtouren wichtig ist. Regenklamotten sind in dieser trockenen Jahreszeit überflüssig. Ich würde für alle Fälle eher einen leichten Regenschirm empfehlen, den könnt ihr auch als Sonnenschutz verwenden.

Tipps Trekking Bergsteigen Bolivien - Kalt ist esDie Temperaturen schwanken tagsüber zwischen 25 und 30 Grad. Sobald die Sonne weg ist, kühlt es jedoch schnell mal auf unter 0 bis zu -10 Grad ab. Daher genügend warme Klamotten und einen entsprechenden Schlafsack und Isomatte einpacken!

Durch die Höhe von meist über 4000m ist die Sonneneinstrahlung sehr intensiv. Eine Sonnenbrille mit einem Tönungsfaktor von mindestens 3, Sonnencreme mit einem Faktor von 30+ und eine Kopfbedeckung sind daher sehr wichtig.

Die extrem trockene Luft in grosser Höhe trocknet die Atemwege schnell aus und begünstigt so Husten und Infektionen. Hilfreich sind hier Halstabletten und evtl. ein Nasenspray für die Nacht, das kann auch eine Kochsalzlösung sein. Gute Erfahrungen habe ich mit Vaseline gemacht – sie hält die Nasenschleimhäute und Lippen feucht.

Ausrüstung & Verpflegung

Ausrüstung für Bergtouren kann in einem der vielen Expeditionsshops in der Calle Sagarnaga in La Paz gemietet werden. Allerdings ist der Zustand oft nicht der Beste – auf Steigeisen und Pickeln kann man reiten und sie sind meist älteren Semesters. Man kann die Sachen aber trotzdem durchaus verwenden. Wer sich mit eigenem Material wohler fühlt, sollte zumindest die Basics mitnehmen umd den grösseren und schwereren Rest dazuleihen.

Empfehlen würde ich eigene Schuhe, da die passende Grösse evtl. nicht vorhanden ist und passende Schuhe extrem wichtig sind. Für Hochtouren solltet ihr wegen der tiefen Temperaturen bis -25 Grad entweder spezielle Thermo-Schalenschuhe oder Thermo-Gamaschen verwenden. Vapor-Barrier-Socks oder alternativ einfache Plastiktüten mindern die Verdunstungskälte wesentlich.

Gas ist doch für AnfängerGaskartuschen mit Schraubventil und verschiedene Brennstoffe findet ihr in einem der vielen Expeditionsshops in der Calle Sagarnaga.

Verpflegung bekommt ihr eigentlich überall in La Paz. Es gibt sehr moderne Supermärkte (Hiper Market), wo ihr von Kartoffelbrei über Fertigsuppen bis hin zu Trockenmilch eigentlich alles bekommt. Spezielle, gefriergetrocknete Trekkingnahrung habe ich nicht gesehen, die solltet ihr bei Bedarf mitbringen.

Geht ihr mit einer Agentur auf Tour ist der Guide meistens auch der Koch. Zum Frühstück gibt es Brötchen mit Konfitüre und Tee oder Instantkaffee mit Milchpulver. Mittags meist dasselbe, zu Abend gibt es Suppe mit frischem Gemüse und eine Hauptspeise wie z.B. Nudeln. Auch Vegetarier werden nicht verhungern. Erfragt die Mahlzeiten am Besten vor Ort beim Buchen. Der Guide/Koch hat auch einen Kocher, Brennstoff, Töpfe und Geschirr dabei. So müsst ihr euch bei einer geführten Tour nicht darum kümmern und die Sachen nicht tragen.

Mit dem Wasser ist es so eine Sache. Bäche und Seen hat es in den Bergen eigentlich überall, nur im Hochlager muss man dann Eis schmelzen. Allerdings gibt es jede Menge Lamas, Schafe und Rinder, die mit Vorliebe in’s Wasser zu kacken scheinen. Auf meiner Trekkingtour hatte ich einen Wasserfilter dabei. Das Filtern ist allerdings doch recht aufwändig und das Gewicht beachtlich. Ich würde daher empfehlen, zum Filtern von Schwebstoffen feine Kaffeefilter zu verwenden und das Wasser danach abzukochen. Auch Wasserentkeimer wie z.B. Micropur mit Wirkung gegen Viren nicht vergessen!!

Sicherheit

Auch wenn Bolivien das sicherste Reiseland in Südamerika sein soll, hört man immer wieder von “Bandidos” und Überfällen (siehe hier). Und in La Paz soll es einen Schwarzmarkt für geklaute Trekking- und Bergausrüstung geben. Ich kann beides nicht persönlich bestätigen, würde als “Gringo” aber definitiv nicht alleine abseits der bekannten Trekkingrouten und Gipfel unterwegs sein. Andere Trekker und Bergsteiger, die ich getroffen habe, wurden ebenfalls gewarnt sich alleine aufzumachen. Gerade in den bergigen, abgelegenen Gebieten ist Hilfe jeder Art weit weg. Und ich selbst war in einer Situation, wo ich (ausnahmsweise) wirklich froh um meine beiden einheimischen Begleiter war.

Reiseagenturen & Guides

Pferde als TragetiereFührer und ggf. Träger kann man in einer der vielen Agenturen in La Paz am besten direkt vor Ort buchen. Die meisten Agenturen haben eine Niederlassung in der Calle Sagarnaga in der Nähe der Kirche St. Francisco. Buchen kann man dort die klassischen, bekannten Touren (z.B. Huayna Potosi, Illimani) oder aber auch individuelle Touren. Hiermit bin ich allerdings ziemlich auf die Nase gefallen. Der Grund war, dass mein Führer schlichtweg keine Karten lesen konnte. Und auch andere Trekkern und Bergsteigern haben mir bestätigt, dass dies von den Guides eigentlich keiner so richtig kann. Meine Empfehlung daher: glaubt eher der Karte als dem Guide!!

Definitiv nicht empfehlen kann ich euch folgende Agenturen:

  • Adolfo Andino – die Tour mit seinen Guides war ein glatter Reinfall. Auch zwei weitere Gäste beklagten sich in meiner Anwesenheit bei ihm über schlechte Leistungen. Er ist sehr billig, zahlt aber mit die schlechtesten Löhne. Die Guten arbeiten also sicher nicht bei ihm.
  • Bolivian Mountains – freundliche Antwort auf meine Anfrage und alles kein Problem, dann urplötzlich nichts mehr.
  • Andes Adventures und Elma-Tours haben sich erst gar nicht auf meine Anfrage hin gemeldet.

Die Ausbildung der Führer ist nicht mit der von Bergführern in Europa zu vergleichen. Mein “Guide” erzählte mir, nach 7 Jahren Tätigkeit als Träger dürfe man Trekkingtouren führen, nach weiteren 7 Jahren dann auch Bergtouren. Dies scheint eine unter den Agenturen verbreitete Regelung zu sein.

Es gibt zwar Führer, welche eine spezielle Ausbildung nach den Statuten des Bolivianischen Andenvereins haben. Diese sind jedoch sehr rar und entsprechend teuer und begehrt. Mein Guide auf dem Illimani war technisch alles andere als sattelfest, was mit ein Grund zum Abbruch der Tour war. Und zwei französische Bergsteiger waren Tage zuvor Zeuge, wie eine ganze Seilschaft direkt vor Ihnen einen Spaltensturz am Huayna Potosi hatte. Der Führer hatte kein Material zur Spaltenrettung bei sich. Die beiden Franzosen mussten sie rausziehen – Glück für die Seilschaft, dass die beiden da waren…

Fragt daher auf jeden Fall nach einem Führer mit einer entsprechenden Ausbildung!! Denn wenn ihr auf 6.000 Metern Höhe merkt, dass euer Guide nicht so richtig weiss wo es lang geht, kann es wirklich unangenehm werden.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Sprache. Ohne Spanischkenntnisse hat man klar ein Problem. Kaum einer der Führer spricht Englisch, auch wenn euch die Agenturen das Gegenteil versichern. “Basic English” heisst dort, sie verstehen “Ja” und “Nein” – mehr nicht. Wenn ihr also kein Spanisch sprecht, solltet ihr unbedingt einen englischsprachigen Führer fordern, auch wenn die mehr kosten. Und vor der Tour unbedingt ein paar Worte mit ihm wechseln um das zu prüfen!! Sie versprechen euch in den Agenturen diesezüglich das Blaue vom Himmel! Zur Sicherheit empfehle ich, vor der Reise die wichtigsten Sätze auf Spanisch zu übersetzen und auf einem A4-Ausdruck mitzunehmen (ich hab’s dummerweise verbimmelt).

Spielende KinderEin wichtiger Punkt scheint mir noch der Verdienst der Guides zu sein. Bolivien ist das einzige Dritte-Welt-Land in Südamerika. Die meisten Guides riskieren hier ihr Leben für Touristen oft für extrem wenig Geld. Ihr könnt beim Buchen durchaus fragen, wie die Guides bezahlt werden und euch für eine Agentur entscheiden, die angemessen bezahlt. Auf jeden Fall freuen sich die Guides nach der Tour über ein Trinkgeld.

Die Guides werden euch auf einer Tour eventuell irgendwann auch mal nach dem Wert eurer Ausrüstung fragen. Sagt am besten, ihr wisst es nicht. Oder ihr habt es geliehen. Oder es ist ein Geschenk.  Denn es ist wirklich sehr unangenehm wenn sie ausrechnen, wieviele Monate sie arbeiten müssten, um sich eure Multifunktionsuhr leisten zu können. Das bringt es eben mit sich, wenn man in einem armen Land Urlab macht…

Guides sind auch oft extrem schlecht ausgerüstet – sie schlafen in löchrigen Zelten auf zentimeterdünnen Matten oder Pappkartons. Ihre Schlafsäcke halten nicht viel von der klirrenden Kälte draussen ab. Ich hatte daher jeden kalten Abend ein schlechtes Gewissen, als ich mich auf meine daunengefüllte Matte zum Schlafen gelegt habe. Guides freuen sich immer über geschenkte Ausrüstung, die ihr nicht mehr braucht oder nicht mehr mit in den Flieger zurück nehmen wollt. Vielleicht habt ihr das im Hinterkopf beim Packen… die Jungs freuen sich!

Hygiene & Gesundheit

Von Montezuma’s Rache (Reisediarrhoe) hat sicher jeder Südamerika-Reisende schon gehört. Sie tritt bei ca. 1/3 aller Reisenden auf! Zur Vermeidung empfiehlt es sich, nichts Ungeschältes oder Ungekochtes zu essen. An ersteres solltet ihr euch unbedingt halten, gerade bei Früchten! 2 – 3 Urlaubstage mit Durchfall und Übergeben zu verbringen ist wirklich hart!!

AbendessenZur Sicherheit empfehle ich Immodium akut, hiermit habe ich gute Erfahrungen gemacht. Sollte es euch jedoch wirklich übel erwischen, braucht ihr etwas Stärkeres, also ein Breitband-Antibiotikum wie z.B. Rifaximin. Sucht euch zuhause einen Arzt, der euch das verschreibt und nehmt evtl. etwas mehr mit – für die, die nicht daran gedacht haben.

Sinnvoll ist sicher auch ein Hand-Desinfektionsmittel als Emulsion zum Verreiben oder abgepackt als Tüchlein. Unterwegs habt ihr oft nämlich nicht die Möglichkeit, eure Hände vor dem Essen zu waschen. Ein idealer Übertragungsweg für Bakterien, welche ihr euch beim Binden der Schuhe geholt habt, mit denen ihr vorher durch Müll und Fäkalien gelaufen seid!

Literatur & Links

  • “Höhe x Bergsteigen” von Thomas Lämmle, zu beziehen über den DAV Summit Club. Sehr empfehlenswertes Buch zur Vorbereitung auf das Höhentrekking bzw. Höhenbergsteigen!
  • “Bolivien… selbst entdecken” von Rainer Waterkamp. Reiseführer mit sehr vielen Informationen und Details zu Bolivien, ergibt einen sehr guten Gesamtüberblick.
  • “Bolivien” – Rother Wanderführer von Thomas Wilken. Ein paar sehr schöne Touren rings um La Paz. Allerdings sind die Karten und Beschreibungen im Buch entgegen dem Klappentext unbrauchbar. Also besser eigene Karten besorgen.

Zum Schluss

Ich hoffe, dass euch die obigen Tipps und Empfehlungen beim Planen eurer Bolivienreise helfen und ihr manche Schwierigkeiten von vornherein vermeiden könnt. Denn trotz aller Widrigkeiten ist Bolivien definitiv eine Reise wert!

Die Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit – solltet ihr also etwas vermissen oder einen eigenen Tipp parat haben freue ich mich über eure Kommentare!


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