Tipps für die richtige Gletscherbrille

Moderne Gletscherbrillen warten heutzutage mit einer Vielzahl von Funktionen und Features auf. Welche davon machen wirklich Sinn und worauf gilt es beim Kauf einer Gletscherbrille zu achten?

Es gibt ein paar Ausrüstungsgegenstände für Gletschertouren, die essentiell für eine sichere Tour sind. Neben Steigeisen, Pickel und Seil zählt dazu eine gute Gletscherbrille. Sie schützt unser empfindlichstes Sinnesorgan, das Auge.

Schutzfunktion von Gletscherbrillen

Gletscherbrille - Bügel

Es gehört zum Schulwissen in Physik, dass mit zunehmender Höhe die Dichte der Luft abnimmt. Weniger Luftmoleküle bedeuten gleichzeitig einen Anstieg der Strahlung (UV-A, -B und -C), da diese nicht mehr so stark durch die Luftmoleküle abgelenkt und reflektiert wird.

Von hellen (Schnee-)flächen wird diese Strahlung zusätzlich stark reflektiert – die Strahlen treffen nicht mehr nur von oben, sondern von allen Seiten auf die Netzhaut. Dabei spielt es keine Rolle, ob man auf einem Gletscher im Hochgebirge oder nur auf der Skipiste steht.

Gletscherbrillen haben die primäre Aufgabe, die Augen vor dieser hohen Strahlung zu schützen. Ohne einen solchen Filter wird unser Auge geschädigt – das reicht von eher harmlosen Reizungen bis hin zu Schneeblindheit und irreparablen Schäden an der Netzhaut. Zusätzlich schützt eine Gletscherbrille auch vor Wind und mechanischen Schäden, beispielsweise vor Stein- oder Eisschlag.

Das Gestell

Wichtig ist bei Gletscherbrillen, dass sie auf allen Seiten gut am Kopf abschliessen. Denn bis zu 60 % des Sonnenlichtes fallen als Streulicht seitlich oder von oben und unten hinter die Gläser ein.

Dort wird es von der Innenseite der Gläser reflektiert und vermindert so die Schutzfunktion der Brille erheblich.

Gletscherbrille - SchaumstoffrandSchliesst ein Gestell allerdings zu dicht ab, liegen die Gläser eventuell direkt auf grösseren Hautflächen. Dort sorgen dann Schweiss und Sonnencreme für schlechte Sicht. Zudem wird die Luftzirkulation gemindert, weshalb die Gläser schneller beschlagen.

Moderne Gletscherbrillen lösen dieses Problem durch einen dünnen, oft abnehmbaren Schaumrand. So liegt die Brille nicht direkt auf der Haut, und Schweiss, Staub und Wind wird wirksam abgehalten, ohne die Luftzirkulation zu sehr einzuschränken. Beim Gestell empfehle ich, auf einen solchen Schaumrand zu achten.

Die Gläser

Sportbrillen sind heutzutage fast ausschliesslich mit Gläsern aus Polycarbonat ausgestattet. Dieser Kunststoff bietet gegenüber Glas die Vorteile, 50% leichter und äusserst bruchfest zu sein. Dafür sind Kunststoffgläser empfindlicher gegen Kratzer.

Gläser können durch verschiedene Beschichtungen mit sogenannten Veredelungen ausgestattet sein, die zu besseren optischen Eigenschaften führen:

  • Glashärtung – erhöht die Kratzfestigkeit
  • Glasfärbung – erhöhen den Kontrast (gelb) oder den Style (rot, grün, blau)
  • Polarisierung – filtert effektiv reflektiertes Licht
  • Entspiegelung – vermindern Lichtreflexe
  • Verspiegelung – zusätzlicher Strahlungsschutz durch Reflexion
  • Phototrophie – die Gläser tönen sich je nach Lichtverhältnissen automatisch

Von obigen Veredelungen ist aus meiner Sicht die Polarisierung die sinnvollste, da Schnee- und Eisflächen jede Menge Strahlung reflektieren und polarisierte Gläser ein deutlich besseres Sichtbild ergeben – manchmal so gut, dass die Welt ohne Brille fast schon langweilig erscheint… Phototrophe Gläser erscheinen mir sinnvoll, hier habe ich jedoch noch keine praktische Erfahrung sammeln können. Die anderen Veredelungen sind – ausser der mittlerweile üblichen Glashärtung – eher eine Frage des Geschmacks und Geldbeutels.

Gletscherbrille - GläserEigentlich jede höherwertige Gletscherbrille bietet heutzutage ausreichenden UV-Schutz, daher soll an dieser Stelle nicht näher darauf eingegangen werden. Wer sicher sein will, sollte darauf achten, dass die Brille einen „UV 400“ Aufkleber trägt oder den Händler fragen. Highend-Sonnebrillen bieten einen zusätzliche Blaulicht-Schutz. Mehr Infos zu UV- und Blaulicht-Schutz findet ihr bei Wikipedia.

Manche Brillengestelle ermöglichen das Auswechseln der Gläser. Einerseits kann man sich seine Brille so auf die jeweils vorherrschenden Lichtverhältnisse anpassen, andererseits bedeutet das ein ziemliches Gefummel und man muss bei längeren Touren eventuell mehrere Gläser mitführen.

Die Schutzklasse

Für Sonnenbrillen gibt es vier Schutzklassen, welche jeweils den Tönungsgrad der Gläser angeben:

Kategorie 1
20-57 % Tönung; für bedeckte Tage

Kategorie 2
57-82 % Tönung; normaler Schutz für Sonnentage in unseren Breitengraden

Kategorie 3
80-92 % Tönung; für Wasser, Strand und Berge, sowie südliche Länder

Kategorie 4
92-97 % Tönung; für Hochgebirge und Gletscher

 Für Gletscher- und Hochtouren in den Alpen ist eine Brille der Kategorie 3 Minimum. Geht es auch über 4’000 Meter und sind die Touren mehrtägig, empfehle ich klar eine Brille der Kategorie 4.

Tragekomfort

Die Breite einer Brille ist entscheidend, ob sie gut passt oder nicht. Ist sie zu schmal, gibt es unangenehme Druckstellen; ist sie dagegen zu breit, fällt sie bei der kleinsten Bewegung vom Kopf (und sieht ebenfalls doof aus).

Ist die richtige Breite der Brille für den eigenen Kopf gefunden, sind die Bügel einer Brille wesentlich für deren sicheren Sitz. Auch hier gilt: Sitzen die Bügel zu fest am Kopf gibt es Druckstellen bis hin zu Kopfschmerzen; bei zu losen Bügeln rutscht die Brille oder fällt bei ruckartigen Bewegungen herunter.

Gletscherbrille - NasenstegWichtig für die Bequemlichkeit ist zudem ein passender Nasensteg. Dieser ist heutzutage meist aus einem kunststoffummantelten Draht, welcher sich individuell an den Nasenrücken anpassen lässt.

Gerade Gletscherbrillen trägt man oft einige Stunden oder einen ganzen Tag. Und der sichere Sitz ist extrem wichtig, um den Träger nicht in einer kniffligen Situation abzulenken. Daher sollte der Sitz der Brille – wenn möglich – durch längeres Probetragen ausprobiert werden. Auch eine innenseitige Gummierung der Bügel kann wesentlich zum Tragekomfort beitragen und sorgt für zusätzlichen Halt.

Die Brillenbügel

Die Brillenbügel haben neben der Fixierfunktion am Kopf die zusätzliche Funktion, Streulicht, also seitlich eintretende Strahlung, zu blockieren. Daher sind die Bügel bei Gletscherbrillen meist wesentlich breiter als bei normalen Sportbrillen oder Sonnenbrillen. Manche Brillenbügel lassen sich auch verformen und so individuell an die Kopfform anpassen. Das Wichtigste beim Brillenkauf ist aus meiner Sicht jedoch der Schutz vor seitlicher Strahlung.

Gletscherbrille - KopfbandModerne Sportbrillen bieten weiterhin die Möglichkeit, die Bügel auszuwechseln. Mittels Clipsystem können die üblichen Starrbügel alternativ auch gegen ein gummiertes Kopfband ausgetauscht werden. So wird der sichere Sitz der Brille auch bei bewegungsintensiven Aktivitäten (z.B. Skiabfahrten) sicher gestellt werden. Trägt man dabei allerdings einen Helm, kann man die Brille nur abziehen, wenn man vorher auch den Helm abzieht.

Ein Kopfband ist Geschmackssache und nach meiner Erfahrung auf Gletscher- und Hochtouren nicht unbedingt notwendig. Wenn die Brille satt anliegt und innen gummiert ist, reicht der Halt meist aus. Anders sieht die Sache bei Skiabfahrten aus. Hier macht das Kopfband sicher Sinn, möchte man nicht bei einem Sturz seine Brille im Tiefschnee suchen.

Nasenschutz

Manche Sportbrillen bieten einen zusätzlichen Nasenschutz. Das ist meist ein kleiner Lappen aus Leder oder formbarer Kunststoff, der die dünne Haut der Nase effektiv vor Strahlung schützt.

In grossen Höhen bis 6’000 Meter ist ein solcher Nasenschutz auch auf Eis- und Schneeflächen nicht unbedingt notwendig. Hier reicht noch ein gute Sonnencreme mit hohem LSF als Schutz. Über 6’000 Metern Höhe ist ein Nasenschutz jedoch sehr zu empfehlen und ab extremen Höhen über 7’000 Metern unverzichtbar. Die Bergsteiger in bekannten 8’000er – Dokumentationen tragen tagsüber ihren Gesichtsschutz weniger weil es kalt ist, sondern wegen der extremen Strahlung in diesen Höhen, gegen die eine Sonnencreme nicht mehr ausreicht.

Fazit

Auch wenn am Schutz für seine Augen nicht gespart werden sollte, ist die Entscheidung für ein bestimmtes Gletscherbrillen-Modell sicher auch eine Kostenfrage. Ich hoffe jedenfalls, dass dieser Artikel euch hilft, bei einem Kauf den bestmöglichen Schutz für euer Budget zu bekommen.

Weitere Informationen

Bezugsquellen


4 Responses to “Tipps für die richtige Gletscherbrille”

  1. Cool! Eine richtig hilfreiche Übersicht. Sehr gut!

    Grüße,

    Erika

  2. Die Funktion der auswecheslbaren Bügel schätze ich sehr, speziell, seit schon mal einer das Zeitliche gesegnet hat.

    Zusätzlich auswechselbare Gläser, machen die Brille Multisport- tauglich (Biken, Segeln, Wandern, Ski- Hochtouren, usw). Da relativiert sich dann allenfalls auch ein höherer Preis.

    Das gummiertes Kopfband das bei meiner Brille (Addidas Evil Eye) dabei ist finde ich eher unpraktisch.

    Irgendwie ist die Auflagefläche der Brille selbst zu klein so dass es irgendwie unbequem ist mit dem Band. Allerdings ist es lang genüg, dass ich das Brillenband über den Helm ziehen kann wie bei einer klasischen Skibrille.

    Viele Grüsse Alex

  3. Danke 🙂

  4. Hallo Alex

    Die auswechselbaren Gläser sind noch ein guter Hinweis, danke.

    Wie bei Schuhen ist es bei einer Brille ratsam, diese erst in einem Geschäft auszuprobieren. Dann kann man auch schauen, ob sich ein Brillenband statt Bügel angenehm trägt. Denn auch wenn man ein Top-Modell hat heisst das noch lange nicht, dass dieses optimal für die eigene Kopfform passt. Das Brillenband über dem Helm ist aber auch eine Idee…

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