Hochtourenwoche Monte Rosa (Spaghettitour)

Das Monte-Rosa-Gebiet im Wallis ist ein Eldorado für Alpinisten, Gletschertrekking-Fans, 4000er-Sammler und Wanderer. Die Überschreitung aller Hauptgipfel — auch Spaghetti-Tour genannt — ist dabei der Klassiker unter den Hochtouren in diesem Gebiet.

Charakter: Hochtour ZS (III)

Datum: 13. bis 18. August 2012

Tour Monte Rosa (die Zweite)

Nachdem wir vergangenes Jahr unseren Versuch der Überschreitung der Hauptgipfel im Monte-Rosa-Gebiet wegen Krankheit haben abbrechen müssen, stand Mitte August nun der zweite Versuch an. Um es vorneweg zu nehmen – diesmal waren wir erfolgreich, bei traumhaftem Wetter und besten Verhältnissen 🙂

Spaghettitour - Monte Rosa Panorama

Die Monte-Rosa-Tour wird umgangssprachlich auch Spaghettitour genannt, weil man hauptsächlich in italienischen Hütten übernachtet. Es gibt sie in verschiedenen Varianten bezüglich Länge und Routenverlauf (einfach mal bei hikr.org schauen). Zu zweit haben wir die ZS-Variante mit Überschreitung von Liskamm und Dufourspitze gemacht. Der folgende Artikel zeigt nur grob den Routenverlauf unserer Hochtour und stellt keine detaillierte Tourenbeschreibung dar.

Tag 1: Anreise nach Zermatt

Spaghettitour - Gandeghütte mit Breithorn im HintergrundMit dem Zug nach Zermatt, weiter mit der Seilbahn bis zur Station Trockener Steg. Von dort zur Gandegghütte, wo wir übernachteten. Die Gandegghütte ist privat geführt mit sehr, sehr  netter Bedienung, einer Terrasse mit toller Aussicht auf das Breithorn und ganz gruseligem Marschtee. Tipp: Erst abschmecken, bevor man ihn verstaut!

Die Übernachtung auf der Theodulhütte kann ich nicht empfehlen – der Aufstieg über die Skipiste ist ein langweiliger Hatsch und man gewinnt morgens kaum Zeit. Die Übernachtung in der Gandegghütte spart dagegen rund 600 Hm Aufstieg und es gibt z’Nacht vom Porzellan- statt vom Plastikgeschirr.

Tag 2: Breithorn – Roccia Nera – Castor – Felikhorn

Mit der ersten Bahn um 06:30 Uhr auf das Kleine Matterhorn, von dort Aufstieg zum Hauptgipfel Breithorn (4’164 m, L). Abstieg und Querung unterhalb des Gipfelkamms in Richtung Bivaco Rossi i Valante.

Spaghettitour - Gipfelgrat des CastorVon dort Aufstieg zum Roccia Nera (4’075 m, WS), Abstieg über die selbe Route und hinüber zum Zwillingsjoch und Fuss des Castor (4’223 m, WS). Aufstieg über die Normalroute durch die Westflanke und Traversierung über den Gipfelkamm. Das Felikhorn (4’087 m, L) ist eigentlich nur ein Steinhaufen, auf den man drauf läuft – aber immerhin ein offizieller 4000er 🙂

Abstieg zur vollgestopften Quintino Sella.

Tag 3: Liskamm – Balmenhorn – Vincentpyramide

Spaghettitour - Liskamm von Ost nach WestWir nehmen die Normalroute über den SW-Grat: Aufstieg zum Felikjoch, Querung der steilen W-Flanke und Aufstieg über den sehr stürmischen SW-Grat auf den Westgipfel (4’479 m, WS) des Liskamms.

Nun geht es sehr ausgesetzt von West nach Ost an die Überschreitung des Liskammsmit einigen Wächten und Felsklettereien bis zum Sattel „Sella del Liskamm“. Von dort auf den Ostgipfel des Liskamms (4’527 m, ZS, III). Der Abstieg vom Ostgipfel ist nicht zu unterschätzen – der Firngrat ist steil, sehr lang und ausgesetzt.

Spaghettitour - 4000er-PanoramaVom Lisjoch geht es weiter hinüber zum Balmenhorn (4’167 m, L). Ein leichter, sehr gut gesicherter Aufstieg zum „Gipfel“ mit dem Bivacco F. Giordano obendrauf. Der Weg hinauf zur Vincentpyramide (4’215 m, L) ist dann nur noch ein Katzensprung.

Der Abstieg zur Capanna Gnifetti beginnt als breite Autobahn, wird unten jedoch zu einem schmalen Pfad und quert einige Spalten. Vorsicht und ein langes Seil sind geboten!

Tag 4: Schwarzhorn (Corno Nero) – Ludwigshöhe – Parrotspitze – Signalkuppe

Aufstieg von der Capanna Gnifetti in heftigem Schneetreiben mit schlechter Sicht. Der Pfad durch die Spalten ist doch recht schmal, wie ich nach einem Spalteneinbruch 1 Meter direkt daneben feststellen muss.

Spaghettitour - Blick vom Schwarzhorn (Corno Nero)Rechterhand am Balmenhorn vorbei geht es auf das Schwarzhorn (Corno Nero, 4’321, WS). Der kurze, steile Schneehang ist schnell überwunden.

Wieder hinab und weiter auf die Ludwigshöhe (4’341 m, WS), die wir auf dem Gipfelgrat in den Wolken überschreiten, ohne es zu merken. Von dort ist die Parrotspitze (4’432 m, WS) nicht mehr weit.

Spaghettitour - Sonnenuntergang von der SignalkuppeEin komplettes Whiteout im Seserjoch macht die Routenfindung zur Signalkuppe spannend. Nach längerer Wartepause und einem sich ewig ziehenden Aufstieg ist jedoch die Signalkuppe (4’554 m, L) mit dem Rifugio Regina Margherita – der höchstgelegenen Hütte Europas – erreicht. Der Abend dort beschert uns einen wirklich phänomenalen Sonnenuntergang.

Tag 5: Zumsteinspitze – Dufourspitze – Nordend

Spaghettitour - Sonnenaufgang ZumsteinspitzeGenauso, wie uns der gestrige Tag verlassen hat begrüsst uns der neue Tag auf der Zumsteinspitze (4’563 m, L) mit einem grandiosen Sonnenaufgang.

Der Weg zur Dufourspitze beginnt über den sehr schmalen Grat des Grenzsattels mit Klettereinlagen. Danach folgt ein genussreicher, kombinierter Aufstieg und der schmale, ausgesetzte Gipfelgrat zum höchsten Gipfel der Schweiz — der  Dufourspitze (4’634 m, ZS, III).

Spaghettitour - Abstieg von der DufourspitzeDer Abstieg durch das Eiscouloir ist recht heikel, zumal das letzte Fixseil gerissen ist und wir etwas improvisieren müssen.

Die Besteigung des Nordend (4’609 m, WS, II) vom Silbersattel aus ist das Sahnehäubchen der 4000er-Besteigungen und der Abstieg über den Monte-Rosa-Gletscher mit seinen beeindruckenden Eismassen sowie die Aussicht auf die Übernachtung in der Monte-Rosa-Hütte die Kirsche obendrauf.

Tag 6: Rückreise

Im sanften Morgenlicht geht es über den Normalweg auf dem stark zerrissenen Monte-Rosa-Gletscher zum Gornergrat, und von dort mit der Gornergratbahn zurück nach Zermatt. Dort erfüllen wir uns den Traum der vergangenen Tage von Schnipo mit Weissbier und Aussicht auf das Matterhorn — perfekt!

Fazit zur Monte-Rosa-Tour

Spaghettitour - Schnipo mit Matterhorn

Die Überschreitung der Monte-Rosa-Kette (Spaghettitour) mit allen beschriebenen Gipfeln ist definitiv ein Highlight für Bergsteiger und 4000er-Sammler. Nirgendwo sonst in den Alpen lassen sich so viele 4000er in einer so kurzen Zeit besteigen. Aber auch Gletschertrekking-Fans kommen durch die Möglichkeit leichterer Varianten voll auf ihre Kosten.

Wir haben die Monte-Rosa-Überschreitung privat durchgeführt. Die Planung der Routen ist mit den richtigen Führerliteratur (SAC-Führer „Hochtouren im Wallis“) naheliegend. Wer sich das nicht zutraut, ist mit einem professionellen Anbieter dieser Tour gut beraten — einfach mal nach „Spaghettitour“ googlen.

Aber ob privat oder geführt — ich kann diese Tour jedem nur empfehlen!!

P.S.: Merci, Gerry, für die tolle Tour und die Bilder.


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