Hochtour Piz Palü und Piz Bernina (Spallagrat)

„Die weiße Hölle vom Piz Palü“ aus dem Jahre 1929 sollte jedem Bergfilmfan ein Begriff sein. Der Stummfilm handelt von den dramatischen Erlebnissen einer Gruppe in den Schneegebieten des Berninamassivs mit hereinbrechenden Stürmen, Steinschlag und Lawinen. Auf unserer Bernina-Tour präsentierten sich Piz Palü und Piz Bernina glücklicherweise von ihrer Schokoladenseite.

Panorama_Piz_PalüDer Piz Palü ist mit seinen drei Gipfeln und den immer noch imposanten Hängegletschern einer der schönsten Gletscherberge überhaupt. Er thront auf drei mächtigen Felspfeilern, welche sich ebenmässig aus dem Persgletscher erheben. Seine gewaltige Nordflanke kann man vom Berghotel Diavolezza aus bewundern, welches bequem per Bergbahn zu erreichen ist. Besteigen kann man den Piz Palü- mit etwas mehr Anstrengung – ebenfalls von dort aus. Für uns ein lohnendes Ziel an einem der wenigen sonnigen Wochenenden im August.

Freitag | Warm-up am Piz Trovat Klettersteig

Da wir morgens schon recht früh mit dem Zug losfuhren, kamen wir rechtzeitig zum Mittagessen im Berghotel  Diavolezza an. Nach einer kleinen Stärkung und dem Bezug unserer Schlafplätze machten wir uns zum nahegelegenen Piz Trovat Klettersteig auf.

Piz Trovatsch KlettersteigDer Klettersteig bietet ein grandioses Panorama auf Piz Palü, Piz Bernina und den Persgletscher. Technisch ist der Piz Trovat Klettersteig wenig anspruchsvoll (Ks 2-3) und ist bestens mit vielen Tritten und Griffen abgesichert. Es gibt auch eine Hängebrücke inklusive beliebter Fotostelle für eindrückliche Panoramafotos.

Wem der Klettersteig nicht anspruchsvoll genug ist, der kann auch die schwierige Variante wählen (K5-6). Diese erfordert viel Kraft und Ausdauer, denn es gibt längere überhängende Abschnitte und die Griffe und Tritte sind wesentlich weiter auseinander. Also nur für geübte Klettersteiggeher!

Wir begnügten uns mit der einfachen Variante, brauchten wir unsere Kräfte doch für die nächsten zwei Tage.

Samstag | Überschreitung Piz Palü

Morgens um vier ging es mit Stirnlampen bewehrt hinab zum Persgletscher. Dort die Ausrüstung angelegt und über den aperen und spaltenfreien Persgletscher hinüber zum Anstieg über die Normalroute.

Die Aufstiegsroute ist bei guten Verhältnissen aufgrund der breiten, vielbegangenen Spur sehr einfach zu finden. Bei widrigen Verhältnissen stell die Routenfindung durch die ausgedehnten Bruchzonen jedoch eine erhebliche Herausforderung dar. Im Zickzack windet sich dei Route unter mächtigen Eisabbrüchen und über tiefe Spalten hinweg die Nordflanke des Piz Palü hinauf.

Piz Palü ÜberschreitungHat man die Bruchzonen und den letzten steilen Firnhang überwunden, erreicht man einen Sattel. Von hier geht es über einen rund 40° steilen Firnhang auf den Ostgipfel des Piz Palü (3882m). Über den schmalen, teils verwächteten Firngrat geht es nun hinüber zum breiten Hauptgipfel auf 3905m.

Weiter geht es über den Westgipfel (3898m) in wunderbarer, leichter Gratkletterei (II) in Richtung Piz Spinas (3823m). Von dort ein kurzer Abstieg hinunter in die Fuorcla Bellavista.

Hier machten wir Pause und entschieden uns, auf direktem Weg zum Rifugio Marco e Rosa weiterzumarschieren. Unschwierig ging es unterhalb der Bellavista hinüber zum Rifugio, welches wir bereits kurz nach Mittag erreichten. So blieb uns ein entspannter Nachmittag mit Panasch in der Sonne und einem grandiosen Alpenpanorama. Was will man mehr?

Sonntag | Piz Bernina und Überschreitung Bellavista

Nach einer erstaunlich guten Nacht auf 3’500m Höhe ohne Akklimatisation brachen wir morgens um fünf zum Piz Bernina auf.

Piz BerninaVon der Rifugio Marco e Rosa aus wird der Aufstieg mit 2 Stunden angegeben. Direkt hinter der Hütte geht es den Firnhang hinauf und nach ca. 250HM Aufstieg erreicht man bereits den Felsgrat. Diesen gilt es – gut abgesichert – in leichter Kletterei (II) zu überwinden.

Nach einem kurzen Firnabschnitt erreicht man einen ca. 60 Meter hohen Steilaufschwung. Dieser ist ebenfalls gut mit Bohrhaken abgesichert, kann jedoch auf der rechten Seite umgangen werden.

Wir entschieden uns für die Kletterei. Es war einfach unbeschreiblich, bei aufgehender Sonne den Grat zu klettern! Alle anderen Seilschaften, die wir unterwegs überholt hatten, entschieden sich für die Umgehung. So konnten wir in aller Ruhe klettern und geniessen. Der folgende Stau am Spallagrat war die Kletterei allemal wert.

Piz Bernina SpallagratDer Spallagrat selbst ist sehr schmal und ausgesetzt und lässt sich nicht sichern. Hohe Konzentration und sicheres Gehen mit Steigeisen ist also dringend empfohlen! Hat man ihn erst einmal überwunden, geht es unschwer auf den Gipfel des Piz Bernina (4048m). Die Aussicht bei gutem Wetter ist unbeschreiblich! Das Gedränge allerdings entsprechend hoch…

Nach einem langen Abstieg infolge Wartezeiten an den Abseilstellen querten wir zurück zur Bellavista. Über ein steiles Firnfeld stiegen wir zum Punkt 3922 auf und gelangten so auf den Firngrat der Bellavista.

Nach einem Frühstück am wahrscheinlich schönsten Frühstücksplatz im Berninagebiet überschritten wir über den schmalen, ausgesetzten Grat diesen vergletschertemn Höhenzug direkt auf der schweizerisch-italienischen Grenze. Von der Fuorcla Bellavista aus stiegen wir dann die Normalroute über die Fortezza ab.

Panorama BellavistaBeim Abstieg über die Fortezza muss man einige Male abseilen. Hier empfiehlt es sich, lieber etwas im Stau zu warten und die eigentlichen Abseilstellen zu nutzen, als es freestyle seitlich zu versuchen – wir können ein Lied davon singen…

Der Weg zurück ist lang und führt von der Isla Persa mehr oder weniger weglos über den Persgletscher. Selten hat mir ein Weizenbier nach unserer Ankunft in der Diavolezza so geschmeckt!

Fazit zur Hochtour Piz Palü

Bei gutem Wetter sind die Überschreitung des Piz Palü und die Besteigung des Piz Bernina wunderbare Hochtouren in einer grandiosen, hochalpinen Szenerie. Danke, Timo, für dieses tolle Wochenende!

Ein kleiner Tipp noch am Schluss: den Weg von der Diavolezza über die Forteza zum Rifugio Marco e Rosa würde ich nicht empfehlen. Es ist ein schier endloser Hatsch und kommt man am Ende des Tages endlich im Rifugio an, hat man nicht mal einen Gipfel bestiegen.

Überlegt euch also lieber obige Variante – ich kann sie nur empfehlen!


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