Hochtour Diechterhorn

Petrus war bisher ja nicht so gut drauf. Am letzten Wochenende hat er sich jedoch endlich berappelt und uns eine fantastische Hochtour auf das Diechterhorn ermöglicht.

Tag 1: Aufstieg zur Trifthütte

Ausgangsort für unsere Hochtour auf das Diechterhorn (3.389m) war die Talsation Schwendi. Nach längerer Wartezeit aufgrund des Wochenend-Andrangs ging es mit der Bahn über tiefe Abgründe hinweg zur Bergstation.  Von dort führt der Weg in ca. 1 Stunde hin zur Triftbrücke. Die Triftbrücke ist mit einer Länge von 170 Metern eine der längsten und höchsten Fußgänger-Hängeseilbrücken der Alpen. Sie überspannt eine 100 Meter tiefe Schlucht und bietet neben einem nervenkitzelndem Tieflick eine tolle Aussicht auf den Triftgletscher.

Nach einer Pause ging es den blau-weiss markierten alpinen Wanderweg 3 Stunden weiter zur Trifthütte. Der Weg hinauf zur Trifthütte ist schon fast kitschig, führt er doch stets am immer noch imposanten unteren Bruch des Triftgletschers mit zahlreichen Spalten und vielen kleineren Wasserfällen vorbei auf die 2.520 Meter hoch gelegene Trifthütte.

Tag 2: Hochtour Diechterhorn

Nach dem definitiv besten je auf einer SAC-Hütte gegessenen Birchermüsli gingen wir Sonntag morgens um halb 5 in der Dämmerung los. Wir passierten linkerhand die untere Spaltenzone und querten danach rüber in die Flanke zum Anstieg auf das Diechterhorn.

Der Hang ist mit max. 30 Grad mässig steil und liegt in Ostrichtung. Entsprechend  scheint die Sonne bereits frühmorgens auf den Hang. Ein früher Aufbruch von der Trifthütte ist daher ratsam, um bei noch festem Firn einen angenehmen Aufstieg zu bewältigen. Je später desto weicher der Schnee und ohne Gamaschen wird es dann frisch am Bein, weil man bis zum Knie einsinkt.

Diechterhorn - falscher GipfelNach ungefähr drei Stunden waren wir nach einer kurzen, etwas ausgesetzten Passage und etwas Blockkletterei auch schon oben und genossen das fantastische Panorama. Das Diechterhorn hat allerdings zwei Gipfel, wovon der jeweils andere Gipfel höher erscheint als der, auf dem man gerade steht. Wir liessen es uns also nicht nehmen, auch auf den zweiten Gipfel zu steigen. Dieser war mit Restschnee allerdings ungleich knackiger als der „Vorgipfel“ und erforderte eine Seilsicherung. Die Mühe lohnte sich jedoch – auf dem nun richtigen Gipfel konnten wir uns in das Gipfelbuch eintragen.

GelmerbahnIm Abstieg ging es über den „Diechterlimi“ genannten Sattel und den steilen Diechtergletscher hinab zur Gelmerhütte. Nach diversen Panasch in der Sonne und einem beschwingten Abstieg über den mühsam mit grossen Steinen angelegten Weg kamen wir nachmittags an der Bergstation der Gelmerbahn an. Diese ist mit 106 Grad die steilste Standseilbahn der Welt und bietet neben der kraftsparenden Talfahrt nochmals einen willkommenen Nervenkitzel. Mit viel Glück erwischten wir die letzten drei Fahrscheine und konnten so unsere Heimfahrt antreten.

Üblicherweise wird die Hochtour auf das Diechterhorn anders herum angetreten. Persönlich fand ich allerdings die Tour von der Trifthütte aus wesentlich spannender. Der Aufstieg von der Gelmerhütte ist extrem steil und mit wenig Aussicht, wohingegen man von der Trifthütte aus stets den Gletscher und das Panorama des Triftchessels vor Augen hat.

Diese Tour ist definitiv ein Highlight – vielen Dank an Timo und Franziska für das tolle Wochenende!

Nachtrag vom 02.07.2012

diechterhorn_gedraengelVor gut 2 Wochen habe ich von Samstag auf Sonntag eine SAC-Gruppe auf das Diechterhorn geführt. Mittlerweile scheint sich die Hochtour herumgesprochen zu haben. Anders kann ich mir die über 40 (!) Personen gleichzeitig auf dem Vorgipfel nicht erklären.

Durch sich vordrängelnde Gruppen und zu viele gleichzeitig kraxelnde Personen entstand so eine unschöne Stress-Situation. Daher empfehle ich, die Tour eher unter der Woche oder an einem verlängerten Wochenende durchzuführen.


2 Responses to “Hochtour Diechterhorn”

  1. Tönt super schön!! Wie schwierig ist die „Wanderung“ von der Trifthütte zur Gelmerhütte ?? Braucht man spezielle Ausrüstung oder so, wenn man nicht auf den Gipfel des Diechterhorns will ??

    Grüsse David

  2. Hallo David

    Da es einen Gletscher mit Spalten zu überqueren gilt solltest Du grundsätzlich die komplette Ausrüstung mit Seil, Steigeisen, Eispickel und Material für die Spaltenrettung einpacken. Ausserdem solltest Du nicht alleine sondern angeseilt mit mindestens einem Partner laufen. Der Übergang zur Gelmerhütte ist unkritisch. Ich hoffe das hilft!

    Gruss,
    Andreas

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