Bergsteigen am Illimani in Bolivien

Tag 2 – Aufstieg ins Höhenlager

la paz in den wolkenMorgens geht es nach dem Frühstück los in Richtung Höhenlager. La Paz liegt das erste Mal seit meiner Ankunft in Bolivien unter einer Wolkendecke. Aus 4.500 Metern Höhe sieht das in der klaren Morgenluft fantastisch aus!

Die Wegstrecke vom Basislager ins Höhenlager ist nicht übermässig weit. Die zunehmende Höhe in Verbindung mit meinem doch recht schweren Rucksack lässt mich jedoch ziemlich keuchen. Aber ich bin zum Glück nicht der Einzige – unterwegs überholen wir ein Pärchen aus Österreich, die sich ebenfalls mit grossem Gepäck die Serpentinen durch die Schutthänge hinaufquälen.

Illimani im Aufstieg zum HöhenlagerDer steile Aufstieg wird durch fantastische Aussichten auf den Illimani belohnt. Die Flanken glänzen in der Sonne wie mit Silber übergossen und der tiefblaue Himmel lässt das Eis blendend weiss strahlen. Unglaublich schön!

Kurz nach Mittag haben wir es geschafft und stehen auf einem kleinen Plateau in 5.600 Metern Höhe – das Höhenlager „Nido del Condor“, auf Deutsch das „Condornest“. Ein treffender Name, thront man doch mit einer grandiosen Aussicht über allen anderen Gipfeln in der Umgebung. Hinter uns erhebt sich der Illimani mit seinen gewaltigen Eisflanken.

Wir bauen die Zelte auf und kratzen Eis zum Schmelzen. German kämpft tapfer mit seinem klapprigen Kocher – dieser ist total verrusst und furzt nur ab und an ein erbärmliches Flämmchen. Ich lasse ihn seinen Job machen und  lerne derweil die anderen im Kondornest kennen. Da sind zum einen zwei Franzosen, extrem gut ausgerüstet und durch verschiedene Touren optimal akklimatisiert. Sie erzählen mir von ihrer Tour auf den Huayna Potosi: direkt vor ihnen ist eine Dreier-Seilschaft in eine Spalte gestürzt. Weil die Guides weder Ahnung noch Material hatten, mussten sie die ganze Seilschaft herausziehen. Nach den Erfahrungen auf meiner Höhentrekking-Tour wundert mich das allerdings nicht mehr wirklich.

Höhenlager Illimani BolivienDie Österreicher kommen ein gutes Stück später hinaufgekeucht. Ihnen machen die Hitze und die Höhe zu schaffen und sie sind sich noch nicht sicher, ob sie den Aufstieg bereits in der kommenden Nacht  wagen sollen. Montezumas Rache hat sie erwischt, und auf über 6000 Metern Höhe sind denkbar schlechte Bedingungen, wenn man mal dringend aufs Klo muss…

German hat inzwischen den Kocher überredet, etwas Eis zu schmelzen. Ich bitte ihn, wegen der Kälte noch vor Sonnenuntergang zu kochen und so setzt er eine Suppe an. Solchermassen gestärkt erwarten wir den Sonnenuntergang – und er ist wirklich grandios. Minütlich ändern sich die Farben des Himmels, und nach und nach glitzert La Paz als goldener Lichtstreif in den tiefer werdenden Schatten auf.

Wir gehen kurz nach Sonnenuntergang zu Bett, damit wir fit sind für den Aufstieg. Nach einer Stunde Schlaf werden wir durch laute Stimmen geweckt: eine Gruppe Argentinier ist in der Dunkelheit angekommen. Sie bauen laut schreiend das Zelt auf  und machen den Rest des Kondornests permanent auf den Inhalt ihrer Nasen und Bronchien aufmerksam. Zwei Ohropax retten an diesem Abend eine Gruppe Argentinier vom Absturz am Illimani.

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