Alles über Schneeschuhe

Der erste Schnee dieser Saison ist gefallen und die Vorfreude auf die Wintersportaktivitäten steigt. Hoch im Kurs steht hier das Schneeschuhlaufen. Wer sich ein eigenes Paar Schneeschuhe zulegen möchte, hat allerdings oft die Qual der Wahl unter einer Vielzahl an Modellen. Da ist es sehr hilfreich, wenn man die technischen Grundlagen von Schneeschuhen kennt und weiss, worauf es zu achten gilt, wenn man sich ein neues Paar zulegen möchte.

Die heutigen Schneeschuhe haben ausser dem Auftriebsprinzip nur noch wenig gemeinsam mit den historischen Schneeschuhen, mit denen früher die Indianer, Jäger und Trapper im Winter unterwegs waren. Auch wenn die klassischen „Biberschwänze“ noch heute erhältlich und vereinzelt in Gebrauch sind, zeichnen sich moderne Schneeschuhe durch fortschrittliche Materialien und eine Vielzahl an Innovationen aus.

Drei Typen von Schneeschuhen

Schneeschuhe lassen sich grob in drei Typen einteilen:

1. Originals

Schneeschuh Typ Originals  (© Pelex | Wikipedia)Die Originals (eben die „Biberschwänze“) bestehen aus einem netzartig mit Leder bespannten Holzrahmen und werden in unseren Breiten-graden kaum verwendet.

Durch ihre konstruktions-bedingte Grösse eignen sie sich vor allem für flaches Gelände und sehr tiefen, pulvrigen Schnee. Diese Kombination ist in Mitteleuropa sehr selten vorhanden, in Nordamerika dagegen allgemein häufiger.

2. Classics

Schneeschuh Typ Classic (© Pelex | Wikipedia)Für die bei uns vorherrschenden Geländeformen und Schneearten eignen sich Classics und Moderns wesentlich besser.

Classics bestehen aus einem mit Kunststoff bespannten Aluminiumrahmen und können besonders im flacheren, einfachen Gelände ihre Stärken ausspielen.

Der übliche Aluminiumrahmen und die Kunststoffbespannung machen diese Schneeschuhe sehr leicht bei gutem Auftrieb.

Classics bieten bergab – wegen der wenigen Krallen und Spikes – einigen Spass durch das „Gleiten“ durch den Schnee. Allerdings bietet ein runder Rahmen wenig seitlichen Halt und die Spikes sind oft nur unten an der Bindung vorhanden. Somit ist diese Art von Schneeschuhen weniger für steiles Gelände geeignet.

3. Moderns

Schneeschuh Typ Modern

In steilem Gelände bieten die Moderns durch ihre Konstruktionsweise aus zähem, kältefestem Kunststoff und durch ihre kompaktere Grösse mehr Sicherheit und Gehkomfort auf alpinen Touren. Die äußeren Kanten bieten hier gerade beim Traversieren wesentlich besseren Halt als die Aluminiumrohre der Classics. Auch sind die Moderns meist mit viel mehr und vor allem bissigeren Spikes bzw. Harscheisen ausgestattet, was gute Traktion auch in hartem Firn ermöglicht.

Zwischen den Bauweisen gibt es jedoch auch Sonderfälle wie beispielsweise den MSR Lightning Ascent (Testbericht MSR Lightning Ascent). Die Bauweise mit einem kunststoffbespannten Aluminiumrahmen entspricht eigentlich der von Classics. Allerdings ist der Rahmen nicht aus Aluminiumrohr sondern ein massiver Flachrahmen. Eine aggressive Zahnung rund um den ganzen Schuh ermöglichen einen sehr guten Halt in alle Richtungen und machen diesen Schneeschuh zu einem alpinen Modern.

Ihr seht, so ganz sauber ist diese Klassifizierung also auch nicht immer. Sie hilft jedoch, euch im Angebot der Hersteller zurecht zu finden und im Geschäft eure Wünsche zu äussern.

Die Bindung

Die Bindung ist das wesentliche Element eines Schneeschuhs. Sie muss sicherstellen, daß der Schneeschuh auch in steilem und schrägem Gelände sicher am Fuss sitzt. Durch die Laufbewegung in Kombination mit oft tiefen Temperaturen ist die Bindung dauerhaften und intensiven Belastungen ausgesetzt. Daher müssen besonders robuste und kälteresistente Materialien für die Schneeschuhbindung verwendet werden.

Riemenbindung beim MSR Lightning Ascent

Die Bindung muss sich auch mit Handschuhen und bei Vereisung komfortabel und im Notfall schnell öffnen und schliessen lassen, sowie sich einfach an die Grösse der verwendeten Schuhe anpassen lassen. Entsprechend sollte man der Bindung des Schneeschuhs beim Kauf besonderes Augenmerk schenken.

Es gibt verschiedene Arten von Schneeschuhbindungen. Häufig wird eine Riemenbindung aus Kunststoff- oder Gummiriemen verwendet. Die Riemen werden dabei fest um den Schuh in der Bindung gelegt und mittels eines Fixierdorns geschlossen.

Vorteile der Riemenbindung sind die einfache Konstruktion, die Robustheit und die Eignung für weiche Schuhe. Nachteile sind, dass sich einzelne Riemen beim Gehen gerne lösen und das Anlegen besonders mit Handschuhen etwas fummelig und umständlich ist.

Ratschenbindung beim TSL 438 AccessSehr komfortabel und bewährt sind die Ratschenbindungen, da sie sich schnell anlegen und lösen lassen. Der Nachteil ist, dass sie bei Vereisung sehr schwer zu bedienen sind.

Für Ratschenbindungen braucht man eher härtere Schuhe, damit der Fuss nicht eingeschnürt wird.

Größe des Schneeschuhs

Das Körpergewicht und das erwartete Gewicht der Ausrüstung bestimmen im Wesentlichen, welche Grösse man bei Schneeschuhen wählen sollte.

Grundsätzlich gilt: Je grösser die Auflagefläche des Schneeschuhs, umso mehr Auftrieb gibt er im Schnee. Dies ist besonders bei sehr tiefem und pulvrigem Schnee und mit Gepäck hilfreich. In steilerem, alpinen Gelände können grosse Schneeschuhe dagegen hinderlich sein.

Daher ist neben eurem Eigengewicht (ggf. plus Gepäck) besonders das Gelände, in dem ihr überwiegend mit Schneeschuhen unterwegs seid, ein weiteres Auswahlkriterium für die Grösse eurer Schneeschuhe.

Folgende Überlegungen helfen bei der Entscheidung für eine Größe:

  • Aufgrund der klimatischen Verhältnisse in Mitteleuropa ist bei uns der Schnee tendenziell eher fest und nicht so pudrig wie beispielsweise in Nordamerika. Solltet ihr also vor allem vor der Haustüre unterwegs sein, spricht dies eher für eine kleine Grösse.
  • Ihr solltet euch auch fragen, wie häufig ihr denn wirklich im frischen Tiefschnee unterwegs sein werdet. In den Alpen ist Neuschnee beispielsweise mit einer erhöhten Lawinengefahr verbunden – geht ihr auch dann auf Tour?
  • Wenig Gepäck erfordert auch weniger Auftrieb. Macht ihr also ausschliesslich kurze Tagestouren, ist  eher eine kleine Grösse angebracht. Seid ihr dagegen mehrere Tage unterwegs – vielleicht sogar mit Zelt – braucht es sicher ein grösseres Modell.
  • Kleinere Schneeschuhe passen besser an einen Rucksack, lassen sich also leichter transportieren. Dies ist besonders für Tourengänger mit dem Snowboard wichtig.

Verlängerung beim MSR Lightning Ascent

Fasst man die obigen Punkte zusammen wird eine kleinere Grösse für die meisten Schneeschuhgänger völlig ausreichen.

Wer jedoch die grösstmögliche Flexibilität in Bezug auf Gelände, Gewicht und Schneeart haben möchte sollte sich nach einem Modell umschauen, an welchem zusätzliche Verlängerungen angebracht werden können. So kann der Auftrieb bei Bedarf erhöht werden.

Hilfreich ist dies besonders bei mehrtägigen Schneeschuh-Touren mit grösserem Gepäck, wo die Schnee- und Geländeverhältnisse wechseln können oder nicht genau bekannt sind.

Die Form des Schneeschuhs

Die optimale Form eines Schneeschuhs, also das Verhältnis von Länge zu Breite, hängt ebenfalls stark vom bevorzugten Gelände ab, in dem man unterwegs ist. In flachem Gelände ermöglichen eher schmale Schneeschuhe das komfortable Gehen, ohne die Füsse bei jedem Schritt um das Standbein „zirkeln“ zu müssen. Für genügend Auftrieb sind solch schmalen Modelle häufig jedoch etwas länger.

Beispiele moderner Schneeschuhformen

Diese zusätzliche Länge macht es hingegen schwieriger, im steilen Gelände zu gehen. Bergauf sind grosse Schneeschuhe beispielsweise bei Spitzkehren eher hinderlich. Bergab dagegen schleift das hintere Ende im Schnee und erzeugt so zusätzlichen Widerstand. Die Form eures Schneeschuhs hat also wesentliche Auswirkungen auf den Gehkomfort.

Hochgezogener Bug beim Salewa 999 Pro

Manche Hersteller taillieren ihre Schneeschuhe auch, um leichteres, ermüdungsfreies Gehen zu ermöglichen. Für Frauen gibt es übrigens speziell geformte Modelle. Diese kommen der – von Männern verschiedenen – offenen Fussstellung entgegen.

Wichtig ist bei jeder Form, dass die Spitze nach oben gewölbt und wie ein Bug geformt ist. So wird verhindert, dass beim Gehen Schnee auf den Schneeschuh geschaufelt wird und sich die Spitze beim Bergaufgehen durch das Nachziehen des Schuhs in den Schnee eingräbt.

Tubbs FLEXTail®Auch das hintere Ende sollte abgerundet sein, damit es beim Bergabgehen nicht zu viel Widerstand im Schnee erzeugt. Tubbs bietet hier mit dem FLEXTail™-System (Testbericht Tubbs Flex Alp) eine spezielle Lösung: das hintere Ende lässt sich flexibel verbiegen und ermöglicht so ein natürliches Abrollen des Fusses und eine geringere Belastung der Gelenke.

Traktion

Der Halt von Schneeschuhen im steilen Gelände wird mittels Frontzacken und den Harscheisen erreicht. Die Frontzacken sind besonders bei steilen Aufstiegen und in hartem Firn sehr hohen Belastungen ausgesetzt und sollten daher aus kräftigem Aluminium oder Edelstahl sein.

Aggressive Harscheisen und Frontzacken beim Tubbs Flex AlpDie Harscheisen sind längs an den Schneeschuhen angebrachte, gezackte Metallschienen. Sie gewährleisten das rutschfreie Gehen im steilen Gelände und seitlichen Halt beim Queren von Hängen. Die Zacken sollten sowohl nach vorne als auch nach hinten gerichtet sein, um sicheres Bergauf- und Bergabgehen zu ermöglichen.

Die Anordnung der Harscheisen ist je nach Modell und Hersteller unterschiedlich. Meistens sind sie seitlich von vorne nach hinten angeordnet, können jedoch auch auf den Querstreben sitzen. Manche Modelle haben auch eine Kombination aus Spikes und Harscheisen oder bieten optionale Harscheisen zum Aufstecken an.

Steighilfen

Eigentlich alle Schneeschuhtypen der Kategorien Classics und Moderns haben heutzutage Steighilfen, welche Aufstiege wesentlich erleichtern. Meist wird ein Bügel mit Hilfe der Stockgriffe unter die Ferse geklappt, und ermöglicht so – wie mit einem Absatz – eine waagrechtere Fusshaltung auch in schrägem Gelände. Die Kraftersparnis beträgt durch die optimierte Fussstellung bergauf bis zu 30 %!

Ein guter Indikator für den Einsatzbereich eines Schneeschuhs ist die Höhe der hochgeklappten Steighilfe. Diese kann je nach Modell um mehrere Zentimeter auseinander liegen, was durchaus einige Grad in der Fussstellung ausmacht. Als Daumenregel gilt: je höher die Steighilfe, desto steiler das Gelände, welches bequem begangen werden kann.

Abstieghilfe beim TSL 438Neben der Höhe gibt es bei den Steighilfen je nach Hersteller auch Unterschiede in der Konstruktion: Salewa bietet beim 999 Pro beispielsweise eine zweifach verstellbare Steighilfe an (Testbericht Salewa 999 Pro). Und TSL bietet mit einer Art „negativen Steighilfe“ eine innovative Möglichkeit, das Prinzip auch beim Bergab Gehen zu nutzen.

Gewicht

Name = Gewicht beim Salewa 999 ProDas Gewicht des Schneeschuhe spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für den Gehkomfort.

Gegenüber zusätzlichem Gewicht z.B. im Rucksack benötigt jedes zusätzliche Gramm Gewicht am Fuss die sechsfache Kraft um bewegt zu werden. Zudem wird beim Gehen meist Schnee auf dem Schneeschuh mit bewegt, was vor allem bei klebrigem Nassschnee sehr schnell mühsam werden kann.

Daher solltet ihr beim Schneeschuhkauf auf besonders leichte Modelle achten – bei rund 2 Kilogramm liegt ihr ungefähr in der Mitte der Bandbreite.

Zusammenfassung

Folgende Fragen solltet ihr für euch beantworten, bevor ihr euch für einen Schneeschuh entscheidet:

  • In welcher Schneeart seid ihr überwiegend unterwegs? Pulver, fester Firn oder sogar Harsch?
  • In welchem Gelände seid ihr überwiegend unterwegs? Eher flach oder steil bis alpin?
  • Wie lange seid ihr unterwegs? Macht ihr nur Eintagestouren oder auch Mehrtagestouren, evtl. mit Gepäck?

Mit den Antworten auf die obigen Fragen könnt ihr die Auswahl möglicher Schneeschuhe schon sehr eingrenzen. Eure persönlichen Präferenzen (z.B. Gewicht, Features, Marke) entscheiden dann für den weiteren Kauf.

Was den Preis angeht empfehle ich grundsätzlich einen hochwertigen Marken-Schneeschuh. Bei den vermeintlichen Schnäppchen im Discounter werden meist billige Materialien verwendet. Steht man dann mitten in der Pampa mit nur noch einem funktionierenden Schneeschuh da ärgert man sich nur, dass man die paar Franken mehr nicht ausgegeben hat. Mit einem guten Schneeschuh von einem renommierten Hersteller kann man dagegen durchaus jahrelang seine Freude haben und Verschleissteile noch lange Zeit beziehen.


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