Keimfreies Wasser unterwegs – welche Methode funktioniert am besten?

Mehr als die Hälfte der Durchfallerkrankungen auf Reisen geht auf verunreinigtes Trinkwasser zurück. Will man nicht literweise Trinkwasser mit sich schleppen, muss man zwangsläufig Wasser unterwegs entkeimen. Welche Möglichkeiten es dafür gibt und welche Vor- und Nachteile die jeweilige Methode hat findet ihr im folgenden Artikel.

Wasserentkeimung durch Abkochen

Wasserentkeimung durch AbkochenDer bewährte Klassiker – Topf auf die Flamme stellen, Wasser mindestens 2 Minuten sprudelnd kochen lassen und fertig ist das Trinkwasser. Dabei muss  beachtet werden, dass der Siedepunkt des Wassers mit zunehmender Höhe sinkt. Dadurch muss Wasser ggf. länger gekocht werden, um die zuverlässige Abtötung von Keimen zu gewährleisten.

Vorteile

  • Ohne Chemie
  • Keine zusätzliche Ausrüstung notwendig
  • Kostengünstig
  • Bei angemessener Kochdauer sehr zuverlässig

Nachteile

  • Brennmaterial notwendig (Holz, Gas, etc.)
  • Der Siedepunkt des Wassers sinkt mit zunehmender Höhe – die Kochdauer und damit der Brennstoffverbrauch steigen dagegen an
  • Geschmack und Geruch des Wassers werden nicht verbessert
  • Zeitintensive Aufbereitung (Aufkochen und Abkühlen)
  • Schnelle Wiederverkeimung des Wassers
  • Chemische Substanzen verbleiben im Wasser

Mechanische Entkeimung mit Wasserfilter

Wasserentkeimung durch WasserfilterMittlerweile bis auf Trinkhalmgrösse zusammengeschrumpft: der Wasserfilter. Je nach verwendetem Filtermaterial (z.B. Fiberglas, Keramik) werden mehr oder weniger vollständig Bakterien, Viren und Protozoen aus dem Wasser gefiltert. Manche Wasserfilter haben zusätzlich noch Aktivkohle-Elemente zur Geschmacksneutralisierung bzw. -verbesserung des gefilterten Wassers.

Vorteile

  • Sehr zuverlässige Entkeimung
  • Kein Brennstoff notwendig
  • Langlebig (mehrere 1000 Liter Filterleistung je nach Verschmutzungsgrad)
  • Mit Aktivkohlefilter Geschmacks- und Geruchsverbesserung
  • Filtert teilweise sogar Chemikalien (Düngemittel, Pestizide etc.)
  • Relativ schnelle Filtermethode (für 1-2 Personen)
  • Wasser kann sofort getrunken werden

Nachteile

  • Zusätzliches Gewicht und Packvolumen
  • Hoher Anschaffungspreis
  • Filterelemente können verstopfen und häufige Reinigungen notwendig machen
  • Je nach Porengrösse zusätzliche chemische Entkeimung notwenig
  • Pumpen kann recht mühsam werden

Entkeimung durch Bestrahlung

Wasserentkeimung durch BestrahlungWas im Schwimmbad und Trinkwasserspeichern zuverlässig funktioniert, entkeimt auch in wesentlich kleinerem Massstab das Trinkwasser. Mittels UV-Licht werden bei diesem Verfahren alle Keime im Wasser abgetötet. Mit kleinen, batteriebetriebenen Geräten hat man sozusagen immer sein Wasserwerk auf Touren dabei.

Vorteile

  • keine Chemie nötig
  • leicht und klein
  • kein Risiko der Über- oder Unterdosierung
  • Keine Reinigung oder Trocknung nach Gebrauch notwendig
  • Relativ günstiger Anschaffungspreis
  • Rasche Entkeimung

Nachteile

  • Schwebstoffe verbleiben im Wasser
  • Keine Geschmacks- und Geruchsverbesserung
  • Hoher Stromverbrauch (gerade bei Kälte)
  • Keine Filterung chemischer Stoffe
  • Funktioniert nur bei klarem Wasser
  • Recht hohe Kosten pro gefiltertem Liter Wasser durch Verwendung von Batterien

Chemische Entkeimung

Chemische WasserentkeimungBei diesem Verfahren werden Krankheitserreger im Wasser mittels Zugabe von Tropfen oder Tabletten auf chemischem Wege abgetötet. Die verwendete Chemikalie entscheidet allerdings, ob Keime im Wasser wirksam abgetötet werden (Chlor, Jod) oder nur an der Vermehrung gehindert werden (Silberionen).

Vorteile

  • Extrem leicht
  • Geringes Packmass
  • Je nach Chemikalie kaum Wiederverkeimung des Wassers
  • Dauerhafte Konservierung
  • Entkeimung grosser Mengen Wasser auf einmal möglich

Nachteile

  • Geschmack und Geruch des Wassers kann beeinträchtigt werden
  • Hohe Kosten pro entkeimtem Liter Wasser
  • Teils lange Wirkzeiten > 30 Minuten
  • Chemische Substanzen verbleiben im Wasser

Vergleich der einzelnen Verfahren

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die verschiedenen Methoden zur Wasserentkeimung und -aufbereitung:

Methode Preis Wirksamkeit Gewicht Packmass Zeitbedarf
Abkochen ++ + ++
Wasserfilter ++ +
Bestrahlung + ++ + + +
Chemisch + ++ ++

Fazit

Welche Methode zur Wasserentkeimung und -aufbereitung am besten geeignet ist, hängt stark vom Reiseziel ab. Während es im menschenleeren Norden viel fliessendes und vor allem kaltes Wasser gibt, bieten die Tropen mit grosser Hitze ein wesentlich höheres Risiko der Wasserverkeimung.

Zudem kommt es auf die persönlichen Präferenzen an. Während die einen ultraleicht unterwegs sind und aus Gewichtsgründen maximal Entkeimungstabletten dabei haben, legen die anderen Wert auf geschmacksneutrales und auch optisch sauberes Wasser. In letzterem Falle ist sicher ein Wasserfilter ratsam.

Die eierlegende Wollmilschsau gibt es also auch bei der Wasserentkeimung und Wasseraufbereitung auf Touren nicht. Vielmehr müssen die Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen und ggf. verschiedene Methoden kombiniert werden. Entkeimt werden sollte Wasser auf Reisen in jedem Fall. Denn eine (durchaus vermeidbare) Durchfallerkrankung kann jede Tour zur Tortour werden lassen.

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Bezugsquellen für Wasserfilter

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