Tipps für Alpin-Handschuhe im Winter

Vergangenen Sommer habe ich bereits einen Artikel mit Tipps für die richtigen Handschuhe zum Klettern und für Hochtouren geschrieben. Der Jahreszeit entsprechend gibt es nun einen Folgeartikel mit Tipps für die richtigen Alpin-Handschuhe im Winter.

Der Winter bietet eine Vielzahl an spannenden Outdoor-Aktivitäten: Skitouren, Schneeschuhlaufen, Eisklettern und viele andere mehr. Eines haben sie alle gemeinsam: so richtig Spass macht es nur mit warmen und trockenen Handschuhen. Ein echter Trapper mag das für Weicheiertum halten, die meisten outdooraktiven Mitteleuropäer werden mir hier aber denke ich zustimmen.

Alpin-Handschuhe für den Winter gibt es viele und die Auswahl fällt hierbei oft schwer. Die folgenden Tipps werden euch helfen, die für euch richtigen Handschuhe zu finden.

Fingerhandschuhe oder Fäustlinge?

FausthandschuhSowohl Fingerhandschuhe als auch Fausthandschuhe (auch „Fäustlinge“ oder „Mitten“) haben ihre jeweiligen Vor- und Nachteile. Dabei ist es so, dass die Schwächen des einen Modells gleichzeitig auch die Stärken des anderen sind.

Fingerhandschuhe

  • Guter Halt und Griff
  • Hohe Bewegungsfreiheit
  • Mehr Nähte, daher anfällig für Nässe
  • Geringere Isolationsleistung

Fausthandschuhe

  • Höhere Isolationsleistung
  • Weniger Nähte – weniger anfällig für Nässe
  • Mässiger Halt und Griff
  • Sehr eingeschränkte Bewegungsfreiheit

Beim Kauf sollte man sich also überlegen, wofür man den Handschuh hauptsächlich einsetzt. Für reine Ski- und Schneeschuhtouren ohne Seilhandhabung sind Fäustlinge sicher praktikabel. Beim Eisklettern oder für Skitouren mit Kletterpassagen, Einsatz von Steigeisen und Seil sind eher Fingerhandschuhe angebracht, um die Beweglichkeit so wenig wie möglich einzuschränken.

Alternativ kann man auch beide Modelle kombinieren. Unwattierte Fäustlinge dienen dabei als äussere Schutzschicht gegen Wind und Nässe, können aber verstaut werden, wenn es Fingerspitzengefühl braucht. Ist zwar etwas aufwändiger, man ist dafür aber auch flexibler.

Es gibt dann auch noch die „ich nenn sie mal Zwitter-Handschuhe„, welche zum Beispiel einen freien Zeigefinger haben, die anderen Finger dagegen als Fäustlinge verpackt sind. Die Beweglichkeit und Fingerfertigkeit wird sicher höher sein als bei reinen Fausthandschuhen, da aber der Mittelfinger meist auch eingepackt ist es dennoch nicht optimal. Kann man sich als Alternative aber sicher mal ansehen.

ZwitterhandschuheEs gibt auch Handschuhe mit freien Fingerspitzen, die mit einer Haube zugeklappt werden können und dann als Fäustlinge dienen. Ganz überzeugen konnten mich diese Teile aber zumindet für den alpinen Einsatz noch nie – entweder Schnee und Wind kommen in die offenen Stellen oder die zurückgeklappte Haube baumelt im Weg herum. Ist eher etwas zum Hund-Ausführen.

Die Isolation

Heutzutage sind fast alle modernen Winterhandschuhe mit Primaloft oder einer ähnlichen Kunstfaser isoliert. Mit steigender Füllmenge und besserer Isolation sinkt hierbei natürlich auch der mögliche Temperaturbereich des Handschuhs.

Herausnehmbarer-InnenhandschuhDie Isolation sollte idealerweise den vorherrschenden Temperaturen entsprechen. Sind die Handschuhe zu dick, schwitzt man und die Handschuhe werden von innen nass. Bei zu dünnen Handschuhen – Achtung, neue Erkenntnis – friert man dann schnell.

Eine Lösung ist die Verwendung von Unterziehhandschuhen, im Marketing-Sprech auch „Liner“ genannt. Diese sind meist aus Polyester, seltener aus Wolle oder Seide und in verschiedenen Dicken vorhanden. So ist man auf verschiedenen Temperaturen im Tagesverlauf vorbereitet und kann je nach Bedarf die Unterziehhandschuhe ohne grosses zusätzliches Gewicht und Packmass verstauen. Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass man die Liner auch im Zelt z.B. beim Kochen tragen kann, wo die normalen Handschuhe manchmal zu dick sind.

Für Extrem-Temperaturen gibt es auch Daunenhandschuhe. Diese sind jedoch für normale, mitteleuropäische Anwendungsbereiche meist viel zu warm. Froh ist man über Daunenhandschuhe sicher auf Expeditionen in grosser Höhe oder nahe der Pole.

Die Aussenschicht

Es gibt mittlerweile sehr viele wasserdichte Membranen auf dem Markt. Bei Handschuhen kommt es allerdings weniger auf die Membran selbst als vielmehr auf die Verarbeitung der Nähte an.

Handschuhe-StulpeBei Jacken und Hosen werden Membranen grossflächig eingesetzt, die Nähte sind im Vergleich zur Gesamtfläche gering. Bei Fingerhandschuhen dagegen wird jeder Finger sozusagen einzeln eingenäht, was viele Nähte und wenig Fläche bedeutet. Die Nähte sind die Schwachstelle bei Handschuhen: Nässe kommt von aussen besonders hier hinein, weniger durch die Flächen. Ihr könnt also eigentlich fast jede wasserdichte Membran nehmen, solange die Nähte sauber getaped oder geschweisst sind.

Ein Sonderfall sind hier wieder die Fausthandschuhe, da hier relativ wenig Nähte auf viel Fläche kommen. Hier ist eine Qualitätsmembran ratsam.

Ein Nachteil der Membranen ist, dass sie trotz Atmungsaktivität meist zuwenig Feuchtigkeit verdunsten lassen. An den Händen schwitzt man naturgemäss stärker als an anderen Körperstellen. Bei Anstrengung mit Einsatz der Hände (z.B. Eisklettern), vielleicht noch mit einer dicken Isolation lassen die Membran die Feuchtigkeit nicht schnell genug verdunsten. Und dann hilft die wasserdichteste Membran nix: die Handschuhe werden von innen nass.

Besser sind in diesem Fall Handschuhe mit einer nur winddichten Membran. Diese haben eine höhere Atmungsaktivität als die wasserdichten Membranen. Sie werden zwar schneller von aussen nass als letztere, lassen aber besser die Feuchtigkeit verdunsten. Für trockene Kälte mit wenig Schnee- und Eiskontakt sehr zu empfehlen.

Weitere sinnvolle Details

Neben den bereits beschriebenen grundlegenden Aspekten bieten moderne Winterhandschuhe eine Vielzahl nützlicher Details.

Handschuh-InnenseiteMit Leder besetzte Innenflächen ermöglichen einen guten Griff und erhöhen bei häufiger Seilhandhabung die Abriebfestigkeit.

Schlaufen für die Handgelenke verhindern das versehentliche Verlieren des Handschuhs. Der Nachteil ist, dass von oben Schnee hereinfallen kann, wenn sie abgezogen am Arm hängen.

Eine kleine Schlaufe, meist am Mittelfinger erleichtert das Abziehen des Handschuhs. Alternativ kann der Handschuh auch daran z.B. an einen Karabiner gehängt werden, um obiges Problem zu verhindern.

Lange Stulpen mit Kordelzug sind optimal bei viel (Pulver-)Schnee und dichten den Übergang von Jacke zu Handschuh gut ab.

Herausnehmbare Innenhandschuhe erleichtern das Trocknen und können ohne die Aussenhandschuhe getragen werden.

Mit weichem Material besetzte Daumen sind angenehm zum Naseputzen.

Für guten Halt im Handschuh sorgen verstellbare Gurte an den Handgelenken.

Fazit

Den eierlegenden Wollmilchhandschuh gibt es auch bei Alpin-Handschuhen für den Winter nicht.

Mit zwei oder drei unterschiedlichen Paar (z.B. Unterziehhandschuhe aus Polyester, Fingerhandschuhe mit winddichter Membran, Überziehhandschuhe aus wasserdichter Membran) ist man jedoch auf alle Eventualitäten bestens vorbereitet. Zwar trägt man ggf. mehr mit sich herum, hat aber mit warmen und trockenen Handschuhen auch wesentlich mehr Spass an der Kälte.


One Response to “Tipps für Alpin-Handschuhe im Winter”

  1. Vielen Dank für den wertvollen Tipp mit den Unterziehhandschuhe… Ich fahre nun seit fast 25 Jahren Ski und habe ständig kalte Hände. In meinem Leben habe ich mittlerweile Unsummen für wirklich hochwertige Handschuhe ausgegeben. Fäustlinge halten natürlich relativ warm, aber sie sind manchmal wirklich unpraktisch. Trotz Kälte bevorzuge ich Fingerhandschuhe und künftig auf jeden Fall mit Unterziehhandschuhen! So ist man auch flexibel, denn bei warmen Temperaturen lässt man sie dann einfach im Hotelzimmer.

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