Der Mehrstoff-Kocher OmniLite Ti von Primus im Test

Wie kann man einen vielfach preisgekrönten, tausendfach bewährten Mehrstoff-Kocher verbessern? Man macht ihn ein gutes Stück leichter, kompakter und effizienter und fertig ist der neue OmniLite Ti von Primus.

Primus-logoDer Primus Omnifuel ist seit Jahren das Erfolgsmodell von Primus und eine Referenz im Bereich der Expeditions-Kocher. Mit diversen „Gear-of-the-year“ Awards ausgezeichnet gilt der Mehrstoff-Kocher als vorbildlich was Robustheit, Zuverlässigkeit und Vielseitigkeit der Brennstoffe betrifft.

Wo viel Licht ist aber immer auch Schatten – bekannt ist der Omnifuel eben auch als ein recht pflege- und reinigungsbedürftiger Kocher, für dessen Bedienung es einige Übung braucht. Wenn man nicht ausschliesslich mit Gas oder Reinbenzin kocht, hat man immer wieder mit Ruß und kleineren Macken zu kämpfen. Und ich mag mich noch gut erinnern, wie ich beim Starten des Omnifuel einen norwegischen Campingplatz in helle Aufregung versetzt habe – die Leute dachten offenbar, da startet gerade ein Flugzeug.

Es gibt also durchaus Verbesserungspotential, was Primus nun mit der Weiterentwicklung zum OmniLite Ti zu nutzen versucht. Was also ist neu im Vergleich zum Omnifuel?

Gewichtsersparnis durch Titan

Primus-OmniLite-Ti_AufgebautDie wesentliche Neuerung beim OmniLite Ti ist die Verwendung von Titan für das Gestell, die Topfstützen und den Windschutz. Mit Letzterem ist der Windschutz direkt um den Brennerkopf gemeint, nicht etwa der faltbare Windschutz – der ist nach wie vor aus dünnem Aluminium.

Durch die Verwendung von Titan bringt es der Omnilite Ti auf selbstgewogene 220 Gramm inklusive der Brennstoffleitung und dem daran befestigten Absperrventil.  Damit ist er momentan sicher einer der leichtesten Mehrstoff-Kocher auf dem Markt.

Kompakte Bauweise

Primus-OmniLite-Ti_KompaktInsgesamt ist der OmniLite Ti ein gutes Stück kompakter gegenüber seinem Vorgänger geworden und passt ohne Brenstoffflasche locker in eine Handfläche. Der Brennerkopf ist etwas kleiner, da der Abstand von der Düse zum Prallblech verringert wurde. Durch die Verwendung von Titan ist zudem das Gestell filigraner geworden.

Hohe Effizienz

Am effizientesten arbeitet der OmniLite Ti in Kombination mit Töpfen mit Wärmetauscher.  Diese leiten die Wärme durch die Waffelstruktur am Boden an den Topfwänden empor, wodurch eine grössere Fläche erwärmt wird.

Für diese Art von Töpfen wurde der Abstand zwischen Düse und Diffusor verringert und die Leistung verringert. Dadurch wird die Flamme stärker gebündelt und der seitliche Wärmeverlust verringert. Insgesamt lässt sich so einiges an Brennstoff sparen.

Ach ja – normale Töpfe kann man natürlich auch verwenden.

Was gibt’s sonst noch?

  • Der Brennerkopf kann ohne Werkzeug abgeschraubt werden. So kommt man besser an die Düse oder den Vorheizfilz zum Wechseln oder Reinigen ran.
  • Im Vergleich zum Vorgänger Omnifuel hat der OmniLite Ti verkleinerte Düsen. Für Gaskartuschen gibt es eine Düse mit Ø 0,36 mm, für Benzin mit Ø 0,32 mm und für Petroleum und ähnliche Brennstoffe mit Ø 0,25 mm. Die jeweilige Grösse ist gut sichtbar in die Düse eingraviert.
  • Die Regulierung der Flamme wurde optimiert. Der Regler lässt sich auch gut mit Handschuhen justieren.
  • Als Brennstoffe eignen sich Benzin, Diesel, Petroleum, Kerosin oder Gas.
  • Die Leistung wird von Primus mit 2600 Watt angegeben.
  • Geliefert wird der OmniLite Ti inklusive Brennstoffflasche mit Pumpe, Reflektorplatte und Windschutz, 3 verschiedenen Düsen, einem Multi-Werkzeug mit Reinigungsnadel und Silikonpaste. Alles verpackt in einer robusten Tasche.

Mein erster Eindruck vom OmniLite Ti

 

Primus-OmniLite-Ti_VerpackungSehr viel habe ich mit Primus‘ Neuestem noch nicht kochen können und ihn auch noch nicht extrem beansprucht. Dafür ist er einfach noch zu neu. Einen ersten soliden Eindruck habe ich jedoch gewinnen können.

Insgesamt ist der OmniLite Ti ein wirklich schickes und sehr leichtes Teil. Wenn man den Kocher das erste Mal in die Hand nimmt ist man überrascht, dass er so leicht ist, obwohl er wesentlich schwerer aussieht. Hier machen sich die Verwendung von Titan und die kompakte Bauweise deutlich bemerkbar. Primus ist da also ein wirklich  schönes Stück Outdoor-Equipment gelungen.

Primus-OmniLite-Ti_GestellDie Verarbeitung ist sehr solide – nichts wackelt, der Kocher steht stabil auf leicht einrastenden Füssen und der Brennerkopf lässt sich einfach ab- und exakt wieder anschrauben. Die Düsen oder der Vorheizfilz lassen sich so schnell und problemlos wechseln.

Primus-OmniLite-Ti_ZubehoerDie Bedienung des Mehrstoff-Kochers erfordert nach wie vor etwas Übung. Dafür geht die Regulierung der Flamme wirklich präzise von der Hand und auch der abschraubbare Brennerkopf erleichtert die Reinigung oder das Austauschen der Düse wesentlich. Das mitgelieferte Multifunktionswerkzeug ist optimal für allfällige Wartungs- und Reparaturarbeiten.

Primus-OmniLite-Ti_TascheDie beim OmniLite Ti mitgelieferte Tasche halte ich für überdimensioniert. Was durch die Verwendung von Titan an Gewicht beim Kocher eingespart wird, packt Primus bei der Tasche teilweise wieder drauf.  Kommt es auf Packmaß und Gewicht z.B. beim Campen mit dem Auto nicht an, ist die robuste Tasche durch die Größe durchaus komfortabel. Ist man jedoch länger per pedes unterwegs und muss Gewicht und Platz sparen, sollte man sich nach einer Alternative umschauen.

Die von Primus für den OmniLite Ti angegebene höhere Energieeffizienz habe ich mangels Topf mit Wärmetauscher (noch) nicht nachprüfen können. Aber ich gehe aufgrund eines bereits durchgeführten Verbrauchstests davon aus, dass die Verwendung des Kochers mit einem Wärmetauscher-Topf eine merkliche Einsparung beim Brennstoffverbrauch bringt. Aus technischer Sicht steht einem messbaren Effizienzgewinn also nichts im Wege.

Generell sollte man Herstellerangaben zum Verbrauch nicht einfach blind vertrauen, da sie meist auf Laborwerten basieren. Im praktischen Einsatz gibt es eine Vielzahl von Faktoren, die den Brennstoffverbrauch rasch steigen lassen können: Umgebungstemperatur, Windverhältnisse, Art des Brennstoffs, Höhe über dem Meer, Temperatur des zu erwärmenden Guts, Geschick bei der Bedienung, etc. Die Herstellerangaben kann man zwar als Richtwerte nehmen, aber um den eigenen Brennstoff-Verbrauch korrekt einschätzen zu können, bleibt eigentlich nur die eigene Erfahrung.

Die Vor- und Nachteile im Überblick

Hier nochmals zusammenfasst mein erster Eindruck des OmniLite Ti.

  • Geringes Gewicht
  • Sehr kompakt
  • Hohe Effizienz in Kombination mit Wärmetauscher-Töpfen
  • Äusserst robust
  • Mit verschiedensten Brennstoffen zu betreiben
  • Solide Verarbeitung
  • Alles Notwendige im Lieferumfang enthalten
  • Bedienung erfordert Übung
  • Sehr laut
  • Tasche überdimensioniert
  • Recht teuer

Fazit zum neuen Primus OmniLite Ti

Es spricht natürlich nichts gegen die Verwendung des OmniLite Ti als Alltagskocher. Das ist aber wie mit einem Jeep auf Feldwegen rumzufahren. Für den reinen Campingbedarf oder kürzere Touren zum Beispiel am Wochenende gibt es kleinere, leichtere und leisere Kocher. Auch wer eine gewisse Übung bis zur sicheren Handhabung scheut, dürfte mit dem OmniLite etwas Zeit brauchen bis man sich gut versteht.

Primus-OmniLite-Ti_DueseDas neuste Mitglied der Primus-Mehrstoffkocher-Familie wird als Expeditionskocher geführt und das trifft das eigentliche Anwendungsgebiet sehr gut. Das niedrige Gewicht ist vor allem auf langen Touren und die Robustheit auf Expeditionen von Vorteil. Hier dürfte auch die hohe Effizienz in Verbindung mit Wärmetauscher-Töpfen zu einer wesentlichen Gewichtseinsparung beim Brennstoff beitragen.

Der OmniLite Ti ist also ein echter Profi-Kocher für den langen und anspruchsvollen Einsatz in abgelegenen Gebieten mit unsicherer Brennstoff-Versorgung.


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