Lohnt sich ein Topf mit Wärmetauscher?

Blumige Marketingversprechen gibt es reichlich, auch in der Outdoorindustrie. Eines davon ist die höhere Effizienz von Wärmetauschertöpfen um bis zu 1/3 im Vergleich zu herkömmlichen Töpfen. Lohnt sich also die Investition in neues Kochgeschirr mit Wärmetauscher?

Was ist ein Wärmetauschertopf

Waermetauscher-LamellenDer Wärmetauscher ist ein Ring mit Lamellenstruktur, welcher an die Unterseite eines normalen Topfes geschweisst wird. Die Lamellen leiten die Hitze des Kochers seitlich an den Wänden des Topfes empor. Dadurch wird Wasser nicht nur von unten, sondern verstärkt auch seitlich erhitzt. Dies nutzt die erzeugte Kocherhitze effektiver und verkürzt die Kochzeit.

Der zusätzliche Wärmetauscher wiegt nicht viel, nach meinen Messungen mit dem Primus Eta Power gerade mal 15 Gramm.

Warum dieser Versuch?

Primus-OmniLite-Ti_Kocher-komplettAusschlaggebend für den folgenden Versuch war mein Test des neuen Titankochers OmniLite Ti von Primus. Dieser ist besonders auf die Verwendung mit Wärmetauschertöpfen hin optimiert und soll so eine wesentliche Effizienzsteigerung ermöglichen: Effizienzkategorie  A mit, Kategorie C ohne Wärmetauschertopf.

Im Netz kursieren Zahlen, dass Kocher in Verbindung mit Wärmetauschertöpfen sogar zwischen 30% und 50% effizienter seien. Trotz intensiver Recherche im Netz habe ich aber weder Quellen noch eine zufriedenstellende Erklärung gefunden, wie diese Effizienzsteigerung durch Töpfe mit Wärmetauscher denn nun gemessen wird (falls jemand einen gescheiten Link hat – immer her damit!). Also blieb mir nichts anderes übrig, als diesen Effekt mal selbst zu messen.

Dabei wollte ich insbesondere wissen, wieviel Einsparung sich mit dem Wärmetauschertopf erzielen lassen, welchen Effekt der verwendete Kocher darauf hat und ob sich die Anschaffung eines solchen Kochgeschirrs überhaupt lohnt.

Vorneweg: was bedeutet „höhere Effizienz“ konkret?

Laut Wikipedia ist „…die (Energie)effizienz ein Maß für den Energieaufwand zur Erreichung eines festgelegten Nutzens.“ In unserem Fall also die Energie, die notwendig ist, z.B. einen Liter Wasser zum Kochen zu bringen.  Ein effizienterer Kocher oder Topf braucht also weniger Brennstoff, um den Liter Wasser zum Kochen zu bringen.

Im Marketing klingt das dann so: weniger Brennstoff = weniger Gewicht = sparsamer = ökologisch.

Versuchsaufbau

Gaskocher-normal-WindschutzFür den Test habe ich mit 1 Liter Wasser zum Kochen gebracht.

  • Insgesamt habe ich acht Testdurchläufe durchgeführt:
    – Vier mit einem normalen Gaskocher, vier mit dem OmniLite Ti
    – Jeweils zwei mit voller und halber Brennstoffzufuhr
  • Aussentemperatur und Wassertemperatur waren immer gleich (Schatten, bzw. grosser Eimer)
  • Alle Tests mit Windschutz bei kaum Wind (windgeschützte Terasse)
  • Töpfe waren das fast gleiche Modell von Primus (Primus Eta Power 1,2 Liter und Primus Litech 1,2 Liter): selbes Material, Durchmesser und Dicke, nur einmal mit und einmal ohne Wärmetauscher
  • Jeder Topf hatte einen gut abschliessenden Deckel
  • Nach jedem Test habe ich die Gaskartusche mehrmals gewogen und den Mittelwert genommen

Kocher-SetupMein Testaufbau würde streng wissenschaftlichen Kriterien wohl nicht standhalten, dafür habe ich zuwenige Versuchsreihen durchgeführt und diverse Variablen (z.B. ungleichmässiger Wind, nur 4 Testreihen, Anheben des Deckels zum Nachgucken ob es schon kocht) könnten das Testergebnis sicher noch etwas beeinflussen.

Auch habe ich nur Zeit und Brennstoffverbrauch gemessen, um das Wasser zum Kochen zu bringen. Ein 10-minütiger Kochvorgang für eine Suppe oder Nudeln könnt eventuell andere Messwerte zustande bringen. Es ging mir eher darum, besser einschätzen zu können ob sich die Anschaffung eines Kochgeschirrs mit Wärmetauscher überhaupt lohnt und hierfür hat der Test durchaus Resultate geliefert.

Hier also die Messwerte für Interessierte im Detail:

Testergebnisse Effizienztest Wärmetauschertöpfe

Was bringen nun also Wärmetauschertöpfe?

Aufgrund der obigen Testergebnisse lassen sich folgende Aussagen treffen.

1. Verkürzte Kochzeit
In allen Testreihen hat der Topf mit Wärmetauscher das Wasser schneller zum Kochen gebracht. Je nach Setup zwischen einer halben und 2 Minuten.

2. Weniger Verbrauch
In allen Testreihen war der Verbrauch mit Wärmetauschertöpfen niedriger als mit normalen Töpfen.

Auch wenn mein Versuch jetzt keine statistisch valide Aussage zulässt, sind Töpfe mit Wärmetauscher rund 1/4 energieeffizienter als solche ohne. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich dieser Wert unter Laborbedingungen noch auf das versprochene 1/3 hochschrauben lässt. Aber seien wir mal ehrlich – wer ist schon unter Laborbedingungen draussen unterwegs?

Während die beiden obigen Ergebnisse nahe liegend waren, ist mir durch die Testreihe noch etwas Wesentliches aufgefallen. Egal welchen Kocher oder Topf ihr verwendet: langsames Erhitzen spart am meisten Energie. Einzig bei der Kombination von OmniLite Ti mit Wärmetauschertopf scheint es keine Rolle zu spielen, ob ihr Voll- oder Halbgas gebt.

Fazit

Töpfe mit Wärmetauscher sind durchaus effizienter und schneller als solche ohne. Allerdings scheinen mir die doch sehr hohen Zahlen zur Effizienzsteigerung sehr übertrieben zu sein.

Lohnt sich also die Anschaffung eines solchen Kochgeschirrs?

Zur Beantwortung dieser Frage habe ich mal eine Beispielrechnung gemacht: Nehmen wir mal an, man spart pro Kochvorgang mit Wärmetauschertopf 5 Gramm Brennstoff im Vergleich zu einem normalen Topf. Bei angenommenen 2 Kochvorgängen am Tag und sagen wir 10 Tagen unterwegs wären das 100 Gramm Brennstoff die man spart. Davon zieht man das zusätzliche Gewicht für den Wärmetauscher ab und landet bei 85 Gramm.

Topf-WaermetauscherDas scheint mir persönlich jetzt nicht wirklich viel zu sein. Ist man dagegen mehrere Wochen unterwegs, kocht für mehrere Personen und achtet nicht auf schnellgarende Gerichte, kann das schon eher ins Gewicht fallen. Es geht auch dann jedoch immer um ein paar Gramm mehr oder weniger, nicht um Kilogramm.

Auch der Zeitgewinn von wenigen Minuten scheint mir nicht besonders wichtig zu sein. Denn ob mein Tee- oder Nudelwasser nun ein paar Minuten früher oder später kocht ist mir eigentlich herzlich egal. Wenn ich draussen bin, geht es mir um das Outdoor-Kochen als solches. Ich geniesse das Gefummel mit meinen tollen Outdoor-Gadgets und habe da echte Freude dran. Und wenn es länger dauert, habe ich halt länger Spass daran (was nicht heisst, ich würde ewig auf meine Nudeln warten wollen).

Grundsätzlich würde ich also davon abraten, seinen funktionierenden Kocher und Kochtopf auszutauschen nur um einen Effizienzgewinn zu erzielen. Denn der Effekt ist das Geld nicht wert. Müsst ihr jedoch eh euer Material austauschen und seid bereit, etwas mehr Geld zu investieren, greift ruhig zu Wärmetauschertöpfen – sind halt schon cooler als normale Töpfe 😉

Kommentare zu diesem Thema sind willkommen – was haltet ihr von Töpfen mit Wärmetauscher? Und wie sind eure Erfahrungen damit?


5 Responses to “Lohnt sich ein Topf mit Wärmetauscher?”

  1. Ich selbst verwende Jetboil-Kochsysteme die ja auch einen Wärmetauscher (Fluxring) als zentrales Element haben. Ohne große Versuchanordnung aber nach einigen „Wettkochen“ kann ich bestätigen, dass diese Töpfe schneller und damit effizienter kochen…

  2. Danke für den Test, ich bin gerade auf der Suche nach einem Gaskocher und Topf. Denke ich werde mir einen Topf mit Wärmetausche holen.

  3. Hi,
    ich bezweifle dass die Lamellen dazu da sind die Wärme seitwärts am Topf entlang zu führen. Auch ohne die Lamellen nimmt eine Flamme diesen Weg.

    Lamellen erhöhen die Oberfläche des Topfbodens und damit für eine größere Kontaktfläche. Dadurch wird eine bessere Übertragung der Wärme auf das Metall gewährleistet.

  4. Hi Carlos

    Merci für Deinen Hinweis!

  5. Danke für den Test – toll gemacht! Ich könnte mir vorstellen dass die Ersparnis unter realen Bedingungen (Wind!) eher größer ist. Ist aber schwieriger zu testen. Ventilator?

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