Die Lawinenboje von Rotauf

Das junge Schweizer Unternehmen Rotauf hat mit dem MRK5-Lawinensystem einen Lawinenball auf den Markt gebracht. Ich habe mir dieses Ortungssystem für Verschüttete mal im Detail angeschaut.

Nachdem ich vor ein paar Jahren bereits den Lawinenball (Avalanche Ball) des gleichnamigen österreichischen Herstellers getestet habe, war ich natürlich auf die Schweizer Variante des Lawinenballs gespannt. Auch diesmal habe ich für den Test zwar keine Lawine, dafür aber auf Tour das MRK5-Lawinensystem testweise ausgelöst.

Über Rotauf

Rotauf LogoRotauf ist eine junge Schweizer Marke, welche erst 2011 gegründet wurde und ihren Sitz in Chur GR hat. Rotauf vertreibt hochwertige und innovative Produkte für den Bergsport.

Ihren Einstand machte Rotauf an der ISPO 2012 mit dem Ortungssystem MRK5 und wurde gleich als Finalist ausgezeichnet. Mittlerweile gibt es auch eine Bekleidungslinie mit zwei Jacken und einer Tourenhose für Skitourengänger, Freerider und Snowboarder.

Interessant an der Bekleidungslinie ist, dass diese in Graubünden produziert wird und trotz verhältlismässig hoher Produktionskosten zu einem wettbewerbsfähigen Preis angeboten werden kann.

Funktionsweise des MRK5 Lawinensystems

Rotauf Lawinenboje MRK5 - HolsterDas MRK5 Lawinensystem wird direkt am Oberschenkel getragen. Zur Befestigung gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Man verwendet das optionale Holster HLT5, welches das eigentliche Lawinenmodul MRK5 über einen stabilen Bauch- und Beingurt sicher mit dem Träger verbindet.

2. Trägt man die Tourenhose von Rotauf, lässt sich das Lawinenmodul MRK5 direkt in der dafür vorgesehenen Tasche integrieren.

Rotauf Lawinenboje MRK5 - SicherungBevor man sich in unsicheres Gelände begibt, muss das Lawinensystem bereit gemacht werden.

Dazu löst man eine Sicherung durch einen Klettverschluss. Nun klappt ein auch mit Handschuhen gut greifbarer Griff heraus und das Lawinensystem ist bereit.

Rotauf Lawinenboje MRK5 - LawinenbojeGerät man nun in eine Lawine, zieht man am Handgriff und der Lawinenball bläst sich mittels Gaskartusche innert 2 Sekunden zu seiner vollständigen Grösse von 5 Litern auf.

Man wirft den Lawinenball von sich, der nun durch sein geringes Gewicht und grosses Volumen stets an der Oberfläche der Lawine treibt. Mit dem Werfen muss man nicht erst abwarten, bis sich die Boje ganz gefüllt hat, da die Gaskartusche im Lawinenball selbst steckt.

Der Lawinenball ist mit einer Dyneema-Sicherheitsleine fest mit dem Holster bzw. der Hose verbunden. Retter können dieser nun folgen und werden so rasch zum Verschütteten geleitet.

Das folgende Video von Rotauf zeigt diesen Vorgang sehr gut:

 

Persönlicher Eindruck vom Rotauf MRK5

Am Ortungssystem MRK5 fielen mir drei wesentliche Dinge auf.

Rotauf Lawinenboje MRK5 - Abmessungen1. Geringes Gewicht
Mit 155 Gramm ist das Ortungssystem sehr leicht. Auch das verwendete Holster HLT5 hat ein minimales Gewicht. Insgesamt trägt man 310 Gramm am Oberschenkel, was kaum auffällt. Besitzer einer Tourenhose von Rotauf können das System direkt an der Hose fixieren und sparen sich so das Gewicht des Holsters.

2. Kompakte Abmessungen
Die eigentliche Auslöseeinheit MRK5, welche den Lawinenball und die Gaskartusche beinhaltet, ist mit 3 x 5 x 13 Zentimetern sehr klein. Die Kombination mit dem Holster HLT5 ist zwar voluminöser, stört am Oberschenkel jedoch überhaupt nicht.

3. Robuste Verarbeitung
Das System ist sehr robust und sauber verarbeitet. Der breite Bauchgurt ist mit einer Rückfädelschliesse ausgestattet. Wird diese korrekt geschlossen ist ein versehentliches Öffnen unmöglich. Die Beinschlaufe ist wesentlich dünner, dient jedoch auch nur dazu, das Holster bei Bewegung zu fixieren.

Rotauf Lawinenboje MRK5 - SicherheitsleineDie 5 Meter lange Sicherheitsleine zum Holster ist sehr dünn, jedoch aus dem höchst reissfesten Dyneema-Material hergestellt, welches auch für Bandschlingen im Bergsport verwendet wird.

Auf die Leine selbst kommt praktisch kaum Zugbelastung. Die durchschnittliche Verschüttungstiefe liegt bei weniger als einem Meter, die Lawinenboje wird also nur hinterhergezogen. Der dünne Durchmesser ist jedoch hilfreich, um die Leine durch den Schnee ziehen zu können.

Die Lawinenboje kann nur einmal verwendet werden – nach dem Auslösen muss eine neue Auslöseeinheit gekauft werden.

Lawinenboje – Viel Für, wenig Wider

Die Diskussion über Lawinenrettungssysteme oder Lawinenortungssysteme wird teils sehr dogmatisch geführt. Manche lehnen deren Verwendung komplett ab, weil durch die dadurch gewonnene Sicherheit auch die Risikobereitschaft der Wintersportler steige.

Das mag für Einzelne sicher zutreffen – ich halte diese Ansicht dennoch für ziemlichen Unsinn, denn dasselbe Argument wurde schon gegen die Einführung der Gurtpflicht in Autos verwendet. Aus meiner Sicht macht jedes Hilfsmittel, welches bei der Verschüttetensuche hilft, Sinn – und dazu gehört auch der Lawinenball.

Rotauf Lawinenball - SchliesseDer Lawinenball kann und soll kein LVS ersetzen, was Rotauf auch klar so kommuniziert. Als Ergänzung zum LVS ist die Lawinenboje jedoch durchaus geeignet, um Verschüttete schneller zu lokalisieren. Bei eigenen Lawinenübungen habe ich beobachtet, dass viele Tourengänger ihr LVS nicht 100%ig beherrschen. In der Stressituation eines Lawinenabgangs mit Verschütteten kann dadurch sehr viel Zeit bei der Ortung verloren gehen. Hier kann eine grobe, dafür jedoch schnelle visuelle Ortung entscheidende Minuten herausholen.

Ein Lawinenball ist wesentlich günstiger als ein ABS-Rucksack. Dessen hoher Anschaffungspreis hält viele Tourengänger davon ab, ein ABS-System zu kaufen. Hier ist ein Lawinenball zwar keine gleichwertige (er verhindert nicht das Verschütten), dafür aber wesentlich günstigere Alternative.

Als einziges Risiko bei Lawinenbällen sehe ich, dass unkundige Retter der Leine nicht weit genug folgen (oder es wegen nassem Schnee, Eisbrocken oder verschütteten Skiern nicht können) und zu früh an der falschen Stelle anfangen zu graben. Rotauf selbst empfiehlt die Feinortung vor dem Freischaufeln mittels LVS, wenn weniger als 3 Meter Leine aus dem Schnee gezogen werden können.

Fazit

Die Lawinenboje von Rotauf ist als Ergänzung zur Standard-Lawinenausrüstung konzipiert. Das sehr geringe Gewicht, die kompakten Abmessungen, sowie die robuste Verarbeitung machen die Lawinenboje zu einem sehr praxistauglichen Ortungssystem.

Mit einem Verkaufspreis von CHF 108.00 für die Auslöseeinheit MRK5 und CHF 138.00 für das Holster HLT5 liegt der Anschaffungspreis weit unter einem ABS-System.

Für Tourengänger und Freerider, die den hohen Preis eines ABS-Systems scheuen, ihre LVS-Ausrüstung jedoch um eine zusätzliches Ortungssystem ergänzen möchten, kann ich die Lawinenboje von Rotauf uneingeschränkt empfehlen.

Bezugsquelle

Die Lawinenboje ist direkt im Onlineshop von Rotauf (www.rotauf.ch) erhältlich.


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