Der ultraleichte Klettergurt High Altitude von Skylotec im Test

Die hierzulande recht unbekannte deutsche Firma Skylotec stellt neben Produkten für das Industrieklettern erfolgreich auch Klettermaterial für privates Sportklettern her. Aus der aktuellen Produktpalette habe ich den ultraleichten Hochtouren-Klettergurt High Altitude auf Tour testen können. 

Skylotec_Logo

Skylotec ist ein führender Hersteller von Persönlicher Schutzausrüstung zur Absturzsicherung (PSA) im Industriebereich mit über 60-jähriger Erfahrung . Die Schutzausrüstung umfasst eigentlich alles, was für die permanente Absturzsicherung – beispielsweise beim Arbeiten auf Windrädern – gebraucht wird: alle Arten von Klettergurten, Abseilgeräte und Rettungsgeräte, Seile, Karabiner und so weiter.

Da ist es für Skylotec naheliegend, auch für den privaten Sportklettermarkt Produkte anzubieten. Und das ist eigentlich alles von Seilen über Helme und Karabiner.

Klettergurte für Sportklettern und Hochtouren – wo ist der Unterschied?

Der High Altitude von Skylotec ist speziell für Hochtouren konstruiert. Was heisst das bei einem Klettergurt konkret?

Klettergurte für das Sportklettern müssen längeres Sichern und Sitzen im Gurt, sowie Stürze aus mehreren Metern Höhe möglichst komfortabel auffangen. Neben Sicherheit als primärem Kriterium wird der Tragekomfort hier also gross geschrieben.

Skylotec-TascheAuf leichten bis mittleren (Ski-)Hochtouren hingegen ist permanentes Sichern des Seilpartners unter Belastung die Ausnahme und ein ungebremster Sturz in den Gurt sehr  unwahrscheinlich. Belastungen treten hier also eher sporadisch auf. Daher können Abstriche beim Tragekomfort des Klettergurtes unter Vollbelastung gemacht werden, was eine insgesamt leichtere Konstruktion ermöglicht.

Ein weiterer Punkt ist, dass auf den meisten Hochtouren wesentlich weniger Material mitgeführt werden muss als beim (Alpin-)Klettern. Deswegen haben Hochtourengurte auch meist nur 2 statt der üblichen 4 Materialschlaufen.

Der Hochtourengurt High Altitude im Test

Für einen Praxistest hat mir Skylotec freundlicherweise den Hochtourengurt High Altitude zur Verfügung gestellt. Ausprobiert habe ich ihn auf einer wenig schwierigen Hochtour. Zum Einsatz gekommen ist der Klettergurt beim Abseilen über einen Bergschrund. Die ganze Aktion hat rund 1 1/2 Stunden gedauert, während derer der Gurt stets unter Belastung stand. Auf einen ungebremsten Sprung in den Gurt für  Testzwecke habe ich jedoch verzichtet 🙂

Konstruktion

Der High Altitude ist als Leichtgewichts-Klettergurt für Gletscher- und Hochtouren konzipiert.

Skylotec-tragende-MaterialschlaufenDie Hüftschlaufe ist aus weissem Bandmaterial und trägt zwei Materialschlaufen. Diese sind nicht fest fixiert und lassen sich frei verschieben. So kann die Ausrüstung unabhängig vom Hüftumfang des Trägers beliebig positioniert werden.

Zudem sind die Materialschlaufen tragend (15 kN), damit im Falle eines versehentlichen Einhängens in die Materialschlaufe die selbe Sicherheitsreserve vorliegt wie beim richtigen Einbinden (solche Fälle hat es bereits einige gegeben!). Speziell bei langen Gletschertouren wo die Müdigkeit und Konzentration nachlässt ist dies also ein grosser Vorteil.

Skylotec Meshgewebe

Die Beinschlaufen können mittels Blitzverschluss sehr einfach angezogen werden, ohne Ski, Steigeisen oder Schneeschuhe ausziehen zu müssen. Die Beingurte sind mit Meshgewebe ausgestattet, was äusserst atmungsaktiv ist. Wer sich hier Sorgen wegen der Farbe Weiss macht, der sei beruhigt: das Meshgewebe ist mit Nanosphere, einer Ausrüstungstechnologie auf Nanotechbasis, ausgestattet. Diese lässt Schmutz und Wasser weitgehend abperlen und soll auch nach häufigem Gebrauch und mehreren Waschvorgängen erhalten bleiben. Wie sich das auf Dauer bewährt kann ich zwar nicht sagen, nach meinem doch recht robusten Test sah der High Altitude jedenfalls aus wie neu.

Skylotec-SchliesseSkylotec verwendet zum Schliessen des High Altitude eine Rückfädelschliesse. Dies ist eine Schnalle, die zurückgeschlauft werden muss, d. h. das Gurtband muss, nachdem es durch die Schnalle geführt wurde, um einen der Stege der Schnalle herum und unter dem anderen Steg hindurch zurückgeführt werden. Erst wenn ein lasergraviertes „Danger“ in der Schnalle vom Gurt verdeckt ist, ist der Gurt wirklich sicher verschlossen.

Die bei Klettergurten üblichen Slide-Schliessen sind komfortabler, ermöglichen sie doch das häufige und rasche An- und Ausziehen des Klettergurtes. Beim langen Gehen ist das Risiko des Schlupfs, d.h. der langsamen Selbstöffnung der Slide-Schliessen durch fehlenden Zug und das Hin- und Herschieben der Hüfte jedoch relativ hoch. Hier sind Rückfädelschliessen weniger anfällig für Schlupf. Und da der Hochtourengurt üblicherweise einmal früh morgens vor dem Losgehen geschlossen und erst am Ende der Tour wird der Gurt wieder gelöst wird, ist hier komfortables Öffnen und Schliessen weniger notwendig.

Handhabung

Das Schliessen des Gurtes erfordert etwas Übung und durch die verwendete Rückfädelschliesse grosse Sorgfalt. Es muss erst die Hüftschlaufe durch die Einbindeschlaufe gezogen werden, um dann die Gurtschnalle zu schliessen. Um einen satten Sitz zu erreichen, muss man die Stege der Schnalle zudem kräftig aufdrücken, um das Hüftband zurückfädeln zu können. Für Anfänger kann dies etwas kompliziert sein, weshalb der Partnercheck hier sehr wichtig ist.

Die Materialschlaufen lassen sich wie gesagt frei verschieben. So kann man sie dort positionieren, wo sie am wenigsten stören. Dieser Vorteil birgt jedoch auch einen Nachteil: Bei viel Material werden die Schlaufenenden durch das Gewicht dicht zueinander gezogen. So wird das Gewicht des Materials nicht gleichmässig auf den Hüftgurt verteilt, sondern auf gefühlte zwei Punkte links und rechts fixiert.

Für leichte Gletscher- und Hochtouren reichen die zwei Materialschlaufen locker aus. Ist bei schwierigeren Hochtouren mehr Material notwendig (z.B. Friends) wird es jedoch schnell ziemlich eng am Gurt. In diesem Fall sollte man dann auf einen normalen Klettergurt ausweichen.

Die Beinschlaufen lassen sich sehr einfach und schnell öffnen und schliessen. Da man dabei seine  Ski, Steigeisen oder Schneeschuhe anlassen kann, ist das schon sehr komfortabel. Also Daumen hoch dafür!

Tragekomfort

Für langes Sitzen im Gurt ist der High Altitude nicht ausgelegt, dafür fehlt einfach die Polsterung. Er ist jedoch auch nicht so unkomfortabel, dass man sich darin die Beine abschnürt. Für das extreme Leichtgewicht fand ich den Tragekomfort noch erstaunlich gut. Zum richtigen Klettern würde ich sicher ein anderes Modell wählen, für (Ski-)Hochtouren und Gletschertouren reicht das aber völlig aus.

Gewicht & Packmass

Gewichtmässig macht der High Altitude die besprochenen Einschränkungen definitiv wieder wett. Mit nur 235 Gramm ist er ein absolutes Leichtgewicht bei voller Normerfüllung für Belastungen.

Das zusätzlich noch sehr geringe Packmass macht ihn auch zum perfekten Zweit- und Notgurt. Der High Altitude passt immer irgendwo noch rein.

Die Vor- und Nachteile im Überblick

  • Niedriges Gewicht
  • Geringes Packmass
  • Tragende Materialschlaufen
  • Materialschlaufen frei positionierbar
  • Schmutz- und wasserabweisendes Material
  • Rückfädelschliesse für Anfänger riskant
  • Materialschlaufen verteilen bei viel Material das Gewicht nicht optimal

Fazit zum Skylotec High Altitude

Wer Gewicht mit einem ultraleichten Klettergurt sparen möchte, sollte sich den Skylotec High Altitude einmal ansehen. Dieser (Ski-)Hochtourengurt lässt sich sehr schnell auch mit Ski, Steigeisen oder Schneeschuhen anlegen. Die leichten Abstriche in punkto Handling werden durch das extrem niedrige Gewicht sowie das geringe Packmass wieder wett gemacht.


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