Der Bergstiefel Pro Guide von Salewa im Test

Der Bergstiefel Pro Guide von Salewa lässt sich mit einer innovativen Vorrichtung individuell an das Gelände anpassen. Wie genau das funktioniert und was dies für Vorteile bietet erfahrt ihr im folgenden Artikel.

Salewa-Pro-Guide-VollansichtDie wichtigste Frage bei der Entscheidung für einen Bergstiefel ist, für welche Aktivität man ihn denn genau braucht. Und ist man nicht auf genau eine Aktivität festgelegt, kommt man in ein Dilemma. Für die Wanderung braucht es eher leichte Bergstiefel, für leichte Hochtouren mindestens bedingt steigeisenfeste Stiefel mit steifen Sohlen und für ernste, kombinierte Hochtouren oder das Eisklettern solche mit einer sehr steifen Sohle und geeignet für automatische Steigeisen. Man landet also bei rund drei Paar Bergstiefeln.

Salewa hat mit dem patentierten Flex-System einen Weg gefunden, zumindest die letzten beiden Anforderungen in einem Schuh zu kombinieren.

Das FleXtrem-System von Salewa

In der Gehen-Position hat die Sohle eine mässige Steifigkeit. Sie eignet sich besonders für Zustiege, Gletscherüberquerungen oder wenig steiles Gelände, da sie die natürliche Abrollbewegung des Fusses unterstützt und so den Kraftaufwand beim Gehen reduziert. Diese Position ist nur für halb-automatische Steigeisen geeignet.Beim FleXtrem-System kann durch einfaches Verstellen einer Schraube an der Aussenseite der Sohle deren Steifigkeit verändert werden.

Salewa-Pro-Guide-SchraubeMittels mitgeliefertem Inbusschlüssel wird dabei zwischen der Position Walk und Climb gewechselt. Die Vorrichtung spannt eine Metallschiene im Inneren der Sohle des Schuhs und erhöht so die Steifigkeit der Mittelsohle. Dadurch kann der Schuh optimal an die jeweilige Gegebenheit des Geländes angepasst werden.

Die Klettern-Position dagegen versteift die Sohle sehr stark und ermöglicht so besseres Klettern bzw. Eisklettern. In dieser Position können vollautomatische Steigeisen benutzt werden.

Einsatz in der Praxis

Auf meiner letzten Hochtour habe ich das FleXtrem-System mal in der Praxis mit dem Pro Guide Stiefel getestet. Für den Zustieg habe ich die Gehen-Position gewählt.
Entsprechend weich war die Sohle, was das angenehme Abrollen des Fusses ermöglicht hat. Man hat zwar keinen Wanderschuh am Fuss, es geht sich jedoch definitiv angenehmer als mit sehr steifen Bergstiefeln.

Salewa-Pro-Guide-Schnuerung

Beim Aufstieg mit leichten Kletterpassagen habe ich die Climb-Position benutzt. Wenn man in dieser Position im ebenen Gelände geht ist es etwa so, als hätte man Bretter an den Füssen. Im Fels und steilen Firn/Eis  ermöglicht die merklich steifere Sohle dagegen ein genaues Setzen und Belasten des Schuhs. Optimal also.

Das Umschalten zwischen den Positionen geht mit dem mitgelieferten Inbusschlüssel sehr einfach. Diesen muss man zwar immer dabei haben, allerdings wiegt er nur ein paar Gramm und passt in die kleinste Ecke.

Ausstattung des Pro Guide

Der Pro Guide Stiefel bietet sonst alles, was man von einem optimalen Alpinstiefel erwarten kann:

  • Die Vibram-Sohle ist mit einem tiefen, bissigen Profil ausgestattet, was auch seitlich optimalen Halt bietet.
  • Der Geröllschutz an der Seite ist weit hochgezogen.
  • Der Aussenschuh ist aus 3mm dickem, extrem robustem und wasserfestem Perwanger-Leder hergestellt.
  • Der sehr hohe Schaft bietet optimale Seitenstabilität.
  • Schaftabschluss oben mit Neopren-Bündchen gegen Schnee
  • Durch die leichte Isolierung eignet sich der Stiefel für alle vier Jahreszeiten.
  • Die Gore-Tex-Membran garantiert die Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität des Bergstiefels.
  • Die 3D-System Evo genannte Schnürung erlaubt die individuelle Einstellung von Vorder- und Mittelfuss, sowie dem Knöchelbereich.
  • Der Stiefel ist in einer schmalen (Performance Fit) und weiten Variante (Insulated Fit) erhältlich.

Fazit zum Alpinstiefel Pro Guide

Salewa bietet mit dem Pro Guide einen Alpinstiefel, welcher durch das Flex-System einen sehr breiten Einsatzbereich im Gebirge abdeckt. Abgerundet wird der Bergstiefel mit einer Ausstattung, die keine Wünsche offen lässt. Für ernsthaftere alpine Aktivitäten ist der Pro Guide also sicher ein Top-Kandidat!

Weitere Bilder


3 Responses to “Der Bergstiefel Pro Guide von Salewa im Test”

  1. Ich hatte ebenfalls das gleiche Modell. Hier noch einige ergänzende Eindrücke meinerseits:

    Zuerst das grosse Lob. Ich empfand des Schuh, unabhängig vom Flex System als den besten Bergschuh den ich jemals getragen habe. Er ist wirklich extrem bequem.

    Jetzt die grosse Negative-Kritik: Das Flex-System ist nach der ersten Tour kaputt gegangen. Die Imbusschraube im Schuh war von minderer Qualität, so dass diese sich sofort überdrehen liess und das System unbrauchbar gemacht hat.

    Bei Salewa kannte man den Mangel und teilte mir mit, dass das System durch Schlitzschraube bereits ersetzt wurde.

    Der Umtausch war kein Problem, bzw. habe ich das Geld zurückerstattet bekommen. Was mich gewundert hat war allerdings das Salewa sich nicht imstande war Ersatz zu liefern.

    Persönlich denke ich, dass Salewa den Schuh zur Zeit überarbeitet und im kommenden Jahr eine verbesserte Version vorstellt. Das wäre wirklich toll, vielleicht würden sie auch die Schraube auf die Innenseite des Schuhs anbringen.

    Ein Tipp: Wer sich die Schuhe kaufen möchte sollte unbedingt auf die Schraube am Schuh achten und Imbus vermeiden. Ich werden noch eine Saison warten 🙂

  2. SALEWA bedankt sich für den wertvollen Hinweis.

    Der Pro Guide wird mit einem neuen Inbusschlüssel geliefert, der die Sicherheit der Schraube verbessert. Es ist jedoch zu beachten, dass der Inbusschlüssel vollständig in die Schraube eingesetzt wird, um eine Beschädigung der Schraube und des Flex-Systems zu vermeiden. Wie das genau funktioniert, wird im Booklet beschrieben, das mit dem Pro Guide mitgeliefert wird.

    Viele Grüsse, Stefan von SALEWA Schweiz.

  3. Hallo Stefan,

    war letzte Woche dass erste Mal Eisklettern mit dem ProGuide-Insulated Fit. Zustieg 2 Stunden in WALK, dann Klettern in CLIMB: Perfekter Schuh.
    Der Inbus war trotz aller Achtsamkeit sehr schnell „rund“. Werde es über bergfreunde.de reklamieren.
    Verbesserung von meiner Seite: Der Inbus aus Edelstahl oder ein Torxprofil. Zusätzlich eine Abdeckkappe. Oder ein Außenprofil (Torx, Sechskant, polygon)

    Gruß

    Dominik

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