Alles über Eispickel

Der Eispickel ist beim Bergsteigen und für Hochtouren ein unverzichtbares, vielseitiges und manchmal sogar lebensrettendes Werkzeug. Entsprechend sorgfältig sollte man beim Kauf eines Eispickels vorgehen. Worauf dabei zu achten ist und Tipps für die richtige Länge und Form findet ihr im folgenden Artikel.

Wozu einen Eispickel?

Eispickel erfüllen im Bergsport viele unterschiedliche Funktionen:
• Unterstützung beim Gehen auf auf Fels, Schnee, Firn und Eis
• Abbremsen eines Sturzes auf Schnee- oder Firnhängen
• Sondieren der Schneeauflage auf Gletscherspalten
• Eisklettern
• Anker zur Sicherung einer Seilschaft oder Spaltenbergung
• Schlagen von Stufen in steileren Eiswänden

Bei dieser Vielzahl von Einsatzbereichen leuchtet sicher ein, dass beim Kauf des Eispickels nicht am falschen Ende gespart werden sollte. Denn im (hoffentlich nie eintretenden) Ernstfall soll er schliesslich Dein Leben oder das Deiner Bergkameraden retten!

Aufbau eines Eispickels

Aufbau eines EispickelsEispickel bestehen aus einem Kopf, welcher auf einem Schaft sitzt.

Der Kopf hat eine schmale, gezahnte Haue, welche sich sehr gut in das Eis treiben lässt. Die entgegengesetzte breitere Schaufel dient dazu, beispielsweise Trittstufen in das Eis zu schlagen. Der Kopf sollte grundsätzlich aus geschmiedeten Stahl sein. Neben der Haltbarkeit und der Schärfe der Zähne bringt nur Stahl das notwendige Gewicht, um die Haue effektiv in’s Eis zu treiben. Alu dagegen ist zwar sehr leicht, bricht jedoch auch schnell wenn man auf Fels schlägt  (was sich kaum vermeiden lässt). Zudem werden die Zähne sehr schnell stumpf.

Hilfreich ist es, wenn der Kopf zwischen Haue und Schaufel eine Öse hat. Hier kann ein Karabiner oder eine Seilschlinge eingehängt werden, um beispielsweise eine Zwischensicherung zu legen.

Der Schaft eines Eispickels ist meist aus verstärktem Alu. Hier gibt es zwei Modelle, welche man an einer kreisförmigen Stanzung im Kopf erkennt. Basis-Eispickel haben einen B-Schaft mit einer Bruchlast von 250 kg, Technische Eispickel mit T-Schaft dagegen eine Bruchlast von 350 kg (bei jeweils 50cm Länge). Letztere sind entsprechend schwerer. Ein B-Schaft ist absolut ausreichend für einfache Hochtouren. Bei schwereren, technischeren Touren oder wenn der Eispickel zur Sicherung verwendet wird, ist jedoch ein T-Pickel zu empfehlen.

Der Schaft schliesst mit einer Spitze ab, welche bei den besseren Modellen ebenfalls aus geschmiedetem Stahl ist. Die Schaftspitze sollte idealerweise ebenfalls eine Öse haben, um beispielsweise eine Abalakov-Schlinge zur Zwischensicherung fixieren zu können. Vermeiden solltest Du Eispickel mit einem offenen Ende. Hier sammelt sich bei Gebrauch gerne Eis im Schaft, was zusätzlicher Ballast ist. Das tropfende Schmelzwasser auf der Rückreise von der Tour nervt dann zusätzlich.

Manche Schäfte haben einen gummierten Griff oder sind vollständig gummiert. Dies verbessert den Griff gerade auch wenn es nass ist. Gänzlich ohne Gummierung würde ich ihn wegen dem mangelnden Griff nicht empfehlen. Aber das ist sicher jedermanns Geschmacksache.

Häufig sieht man Handschlaufen am Pickel, welche jedoch nach gängiger Lehrmeinung nicht verwendet werden sollten. Das Risiko, bei einem Sturz durch den fixierten Pickel verletzt zu werden ist höher als das Risiko des Verlusts.

Einsatzbereiche des Eispickels

Vergleich unterschiedlicher Arten von EispickelnDie wichtigste Frage vor dem Kauf eines Eispickels ist der zukünftige Einsatzbereich. Wird er für Gletscher- und Skitouren, technisches Bergsteigen oder gar Eisklettern benötigt? Für jeden dieser Einsatzbereiche gibt es unterschiedliche Formen und Längen.

Als Daumenregel gilt: je steiler und schwieriger das Gelände, desto kürzer der Pickel und desto stärker die Krümmung des Eispickels im oberen Bereich des Schafts. So sind Gletscherpickel für leichte und mittlere Gletschertouren normalerweise relativ lang und gerade. Mit zunehmender Steilheit des Geländes ist die Länge des Eispickels jedoch eher hinderlich.

Die Krümmung im oberen Bereich des Schafts erleichtert im steilen Gelände die Handhabung des Pickels. Das erklärt auch, warum die Eispickel für das Eisklettern, die sogenannten Eisgeräte, eine sehr starke Krümmung haben. Die Haue muss in steiles bis senkrechtes Eis geschlagen werden und der Kletterer hängt sich an das Eisgerät. Damit die Haue nicht aus dem Eis rutscht, braucht es die Krümmung. Dadurch wird der Zug nach unten übertragen und die Haue wird durch die Druckschmelze tiefer in das Eis getrieben. Gerade Schäfte dagegen erschweren das Einschlagen der Pickelhaue und bewirken eine wesentlich schlechtere Lastübertragung.

Die richtige Länge

Der Eispickel sollte bei ausgestrecktem Arm bis zum Fussknöchel gehen. Für die korrekte Länge einfach einen Maßstab in die Hand nehmen, aufrecht hinstellen, Hand nach unten hängen lassen, und Länge bis zum Fußgelenk ablesen= optimale Pickellänge.

Mit dieser Pickellänge kannst Du bequem flache Gletscher und Schneefelder queren. Wer sich jedoch auch mal im steilen Firn oder Eis bewegt, sollte tendenziell die nächstkürzere Länge für den Eispickel zu wählen. Diese stört beim Handling weniger und man spart etwas Gewicht.

Lebensdauer von Eispickeln

• Gelegentlicher saisonaler Gebrauch = 5 bis 10 Jahre.
• Regelmässiger Gebrauch in schwierigen Gelände und Wasserfällen = 3 bis 5 Jahre.
• Häufiger professioneller Einsatz = 3 bis 6 Saisonen.
• Dry Tooling, moderne Mixed Routen, Wettkämpfe = 1 bis 2 Saisonen.

Zum Schluss

Beim Pickel sollte man nicht sparen – hier geht es um die persönliche und die Sicherheit Deiner Partner. Und als persönliches Anliegen möchte ich jedem an’s Herz legen, sich einen Gummischutz für Haue, Schaufel und Schaftspitze zuzulegen. Zerkratzte Seitenwände im Auto sind zu verkraften – Kratzer im Gesicht von Mitmenschen in vollen Zügen oder Löcher in deren Kleidung sorgen dagegen nicht gerade für ein gutes Image des Bergsports.


3 Responses to “Alles über Eispickel”

  1. „Zwar sieht man häufig Bergsteiger ohne Handschlaufe – ich frage mich aber jedesmal was die machen, wenn sie den Pickel verlieren.“ Handschlaufen gehören NICHT an den Pickel! Sh. dazu:
    http://www.sac-cas.ch/news/aktuell-detail.html?tx_ttnews%5Btt_news%5D=6171435

  2. Hallo Andreas

    Danke für den Hinweis. Hier hat sich tatsächlich die Lehrmeinung von „ist nicht so gut“ zu einem „man rät klar davon ab“ geändert. Den nicht mehr ganz taufrischen Artikel habe ich entsprechend angepasst. Da Dein Link ins Leer führt möchte ich Lesern den folgenden Link mit mehr Informationen zum Sachverhalt empfehlen: http://www.alpinesicherheit.ch/safety/detail/id/385

  3. Hier der aktuelle Link zum Artikel vom SAC:
    http://www.sac-cas.ch/en/news/aktuell-detail.html?tx_ttnews%5Btt_news%5D=6171435

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